Statement zur COP27

23.11.22 | Archiv

von Roland Vossebrecker

Die 27. Weltklimakonferenz ist zu Ende und die Ergebnisse sind mehr als ernüchternd.

Um mit dem Positiven zu beginnen:

Hoffnungsvoll stimmte der Auftritt von Brasiliens künftigem Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva, der ankündigte, die Abholzungen und Brandrodungen im Amazonas-Regenwald gänzlich stoppen zu wollen.

Des Weiteren wurde im Abschlussdokument das 1,5°-Ziel bekräftigt. Im Grunde ist das aber eher eine Peinlichkeit, denn seit Paris 2015 sollte das eine Selbstverständlichkeit sein. Ehrlicher wäre es, einzugestehen, dass dieses Ziel vielleicht noch physikalisch zu erreichen wäre, politisch aber nicht. Denn eine Abkehr von Öl und Gas wurde nicht beschlossen und die Welt ist weiter auf einem (+/-) 2,5°-Pfad.

Außerdem wurde in letzter Minuten ein Fonds vereinbart, aus dem Klimaschäden in besonders betroffenen Ländern abgefedert werden sollen.

Allerdings muss auch hier ein großes „Aber“ angeführt werden:

Für die 10-jährige Nakeeyat Dramani Sam aus Ghana, die von den zerstörerischen Folgen des Klimawandels in ihrem Land berichtete und die einfache Frage stellte „Wann zahlt ihr uns zurück?“, gab es standing ovations. Aber Applaus ist billig, Klimafolgeschäden sind teuer!

Es wurde weder geregelt, wie viel in den Topf eingezahlt werden soll, noch wer bezahlen wird. Entscheidungen darüber wurden auf die nächste COP in einem Jahr in Dubai vertagt.

Wie glaubwürdig ist also eine solche Ankündigung? 2009 hatten die Industrienationen versprochen, ihre Klimahilfen für ärmere Länder bis 2020 auf 100 Milliarden $ zu erhöhen. Dieses Versprechen wurde bis heute nicht eingehalten, stattdessen wurden die Bilanzen systematisch schöngerechnet:

Pressemitteilung von Oxfam

Kritikwürdig ist und war der Austragungsort der COP in Ägypten, einem Land, das massiv Menschenrechte verletzt, Aktivist*innen bespitzelt und offensichtlich kaum in der Lage oder willens war, die Konferenz zielgerichtet zu leiten. Die Möglichkeiten für zivilgesellschaftlichen Protest wurden massiv beeinträchtigt.

Auch der Luxus-Badeort Sharm El-Sheik machte es vielen Aktivist*innen aus ärmeren Ländern schwierig bis unmöglich, an der Konferenz überhaupt teilzunehmen, während sich die Lobbyist*innen fossiler Konzerne die Klinke in die Hand gaben.

Alles in allem bleibt der traurige Eindruck, dass sich der Nationalegoismus einmal mehr durchgesetzt hat.

Roland Vossebrecker

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