Revolutionäre Hoffnung

Revolutionäre Hoffnung

Revolutionäre Hoffnung

von Leandro Condjo

Frohe Ostern allerseits!
Diesen Beitrag möchte ich dem Fest der Hoffnung widmen.

Die letzten Monate waren für viele Aktivisti die reinste Zerreißprobe. Ich möchte das an dieser Stelle nicht beschönigen. Die multiplen Krisen heißen nicht umsonst so. Man kann das Leid der Welt kaum mehr in Worte fassen.
Hoffnung spielt deshalb eine zentrale Rolle, um Mut zu finden und weitermachen zu können.
Ich hoffe, dass ihr die Hoffnung noch nicht verloren habt.
Ehrlich gesagt, stehe ich manchmal knapp davor mich vom Aktvisti-Dasein zu trennen.

Zum Glück habe ich eine wichtige Hoffnungsquelle.
Welche?
Euch!

Egal wie schwer es in meinem (privaten) Leben wird…
Egal wie viel Druck der dauerhafte Weltschmerz auf meiner Brust auslöst…
Und egal wie attraktiv der Rückzug in das Private wirkt…
Wenn ich an euch denke, gibt mir das Hoffnung.
Die Zukunft ist noch nicht entschieden.
Ich bin davon überzeugt, dass auch die vielen Gerechtigkeitskämpfer*Innen vor uns an diesem Punkt waren.
Also, falls ihr das nächste Mal verzweifelt:
Erinnert euch an die zahlreichen Menschen, die mit euch kämpfen!
Seht eure Sensibilität nicht als Schwäche, sondern als die Voraussetzung für eine gerechtere, bessere Welt für Alle!
Kümmert euch um euch und die Anderen.
Hoffnung ist revolutionär in einer Welt, in der uns die Zukunft geklaut wird.

Erholt euch gut und tankt Kraft, denn wir sind noch lange nicht fertig!

Ich freue mich auf euch!

Euer Leandro

Suffizienz als Strategie des Genug – und Strategie gegen rechts!

Suffizienz als Strategie des Genug – und Strategie gegen rechts!

Suffizienz als Strategie des Genug – und Strategie gegen rechts!

von Tabea Schünemann

Genug für alle – so haben wir das Fachwort Suffizienz für uns als Initiative gefüllt und gedeutet.

Es geht um nichts Geringeres als um eine Utopie, die im Jetzt beginnt und Menschen solidarisch zueinander bringt. 

Genug für alle ist eine Strategie – also ein Plan, wie wir mit Sicherheit zur Sicherheit kommen.
Sicherheit brauchen wir und die geballte Kombination aus einem „Genug für alle“ mit einer Energie-, Verkehrs- und Ernährungswende kann uns dahin bringen. 

Die Krise der Benzinpreise zeigt: Abhängigkeit von fossilen Energien und ihren Auto-Kraten ist unfair, teuer und rückwärtsgewandt. Drei Schlagworte, die auch die aktuelle Klimapolitik der Bundesregierung beschreiben. Eigentlich kein Wunder, an Stelle der Union würde ich auch lieber meinen Großspendern nach der Pfeife tanzen, um an der Macht zu bleiben. Leider macht sie das undemokratisch und unwählbar. Abwählen können wir die Grauen Herren ja aber zum Glück wieder, nicht wahr, Viktor? 

Die Menschen werden sich aber nur von AfD und der rechten CDU abwenden, wenn wir ihnen wirklich etwas entgegensetzen. Eine eigene Vision anbieten. Eine eigene Politik umsetzen. Eine Politik des Genug für Alle. Genug Wohnraum, genug Zeit, genug Essen. Ohne Angst, dass irgendwer einem was wegnimmt. Denn: Alle neonazistischen Wutbürger*innen können einmal durchatmen: Wir haben genug von all dem! Dass es unfair verteilt ist, damit haben sie ja recht. Nur wo unser Wohlstand liegt, da irren sie sich gewaltig. Nämlich bei denen, die für ihr Geld nicht gearbeitet haben, nichts für unser Land tun und dem Staat auf der Tasche liegen – genau, bei den Überreichen. 

Die gute Nachricht ist: Es ist genug für alle da. Wir können aufhören mit der sinnlosen Produktion unter schlechten Bedingungen, von Dingen, die nicht glücklich, sondern Müll und Mühe und Klimakrise machen. 

Wir können auch anders. Wir können solidarische Menschen sein, die teilen, tauschen, reparieren, sich Zeit lassen und lieben. 

Dieses System ist in seiner Spätphase. Das aktuelle Modell ist nicht zukunftsfähig und ich sehe so viele mutige, hoffnungsvolle kreative Menschen mit mutigen, hoffnungsvollen, kreativen Ideen für eine gerechtere Welt. 

Wenn die Ressourcen klimabedingt knapp werden, wenn wir weiter Spielball der Fossilen bleiben, wenn unsere Regierung dem Ganzen nur mit Angst und Tankrabatten begegnet, dann gewinnen die Menschen, die diese Angst organisieren. Wir müssen ehrlich sein: Es muss sich alles verändern, aber wir können das gemeinsam und solidarisch machen. Wir müssen nicht die Mauern hochziehen um unsere vermeintlichen Goldhaufen, wir müssen nicht auf alle schießen, die genauso einfach überleben wollen wie wir. Wir können unsere Wirtschaft so organisieren, dass sie unsere Bedürfnisse deckt. Dann müssen wir auch keine Angst haben. Erst, wenn Menschen das Genug in ihrem eigenen Leben spüren, werden sie aufhören, nach unten zu treten. Wenn es eine solidarische Alternative gibt zu Konkurrenz und zu einem „immer mehr“, das uns alle zerstört, werden sie ihre Ellbogen einfahren und die Hände ausstrecken. Fangen wir doch damit an. 

 

Erste Hilfe gegen rechts – meine aktuellen persönlichen Lieblings-Maßnahmen gegen die Ohnmacht: 

  • Vernetze & engagiere dich lokal -> Nachahmung empfohlen: mit unser Klimainitiative entsteht gerade in Bergisch-Gladbach ein „Wohnzimmer der Demokratie“ (mehr dazu hier: https://klimagerecht-leben.de/schluss-mit-der-man-muesste-mal-gesellschaft) 
  • Spende Geld an lokale Demokratieprojekte, etwa mit dieser Campact Aktion gegen die AfD bei den anstehenden Landtagswahlen: https://aktion.campact.de/rechtsextremismus/no-afd-fonds/spenden?dv=10-25-50-75-100&utm_campaign=empf1&utm_content=1411&utm_medium=recommendation&utm_source=rec-wa&utm_term=inside_flow
  • Wie sieht es an deinem Arbeitsplatz aus? Wie demokratisch ist deine Arbeit organisiert? Erlebe Selbstwirksamkeit und Solidarität statt Spaltung, indem du dich in deiner Gewerkschaft mit anderen für bessere Arbeitsbedingungen einsetzt.
  • Setze deine eigenen, progressiven Themen im Gespräch und auf Social Media: Abgrenzung ist natürlich wichtig, aber ich will über die echten Krisen reden, nicht die eingeredeten.
  • Jetzt schon an 2029 denken: welche Person aus deinem Umfeld willst du zum Demokratie & Klima-wählen bei der Bundestagswahl bewegen? Welche Wahlen stehen sonst an bei dir? 
  • Geh zu den Prüf-Demos: Die Idee: „Wir demonstrieren in allen Landeshauptstädten so lange, bis der Bundesrat beim Bundesverfassungsgericht
    die Überprüfung aller vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall oder gesichert rechtsextrem eingestuften Parteien beantragt hat.“ https://pruef-stand.de/
  • Gestehe dir selbst ein: du kannst nicht alles machen. Auch dein eigenes Genug ist wichtig. Pausen sind antikapitalistisch im Kern. Und: Wir dürfen Fehler machen. Wirklich. Wir dürfen Grenzen haben. Such dir eine Sache aus, für die du brennst, anstatt mit Instagram in Ohnmacht zu verfallen. 
  • Übe dich in Zivilcourage: höre deinen Rassismus-Betroffenen friends zu, lies auch als Mann ein feministisches Buch und widersprich der verbalen Gewalt in der Straßenbahn. Übe mit deinen friends, was ihr machen würdet, wenn ihr in der Öffentlichkeit rassistische Gewalt etc. mitbekommt. Wir werden gebraucht!
  • Und natürlich: setze dich mit uns gemeinsam für eine Politik und Gesellschaft des Genug ein. Informiere dich, sprich mit anderen darüber, vernetze dich mit uns und anderen und werde so aktiv, wie es dir entspricht. ☺ 
Gut sein

Gut sein

 

Gut sein

von Roland Vossebrecker

„Suffizienz ist viel mehr als nur weniger“

Dieses geflügelte Wort der Suffizienz-Bewegung will darauf verweisen, dass über den individuellen Verzicht hinaus eine suffiziente Lebensweise einen Gewinn an Lebensqualität und eine gesündere, friedlichere und gerechtere Gesellschaft verspricht. Das Leben im Genug ist also kein Opfergang in ein darbendes trostloses Dasein, sondern im Gegenteil ein erfüllendes und zufriedenes. Die Benefits des genügsamen Lebens aufzuzeigen, ist das A und O einer erfolgreichen Suffizienz-Kommunikation.

„Suffizienz kann Baustein eines gelingenden Lebens sein“ 

Dennoch ist es offensichtlich herausfordernd, die Vorteile einer Gesellschaftsutopie zu vermitteln, die die planetaren Grenzen schont und Ausbeutung von Natur und Mitmenschen vermeidet. Denn dieses Narrativ steht gegen unsere Alltagserfahrung, gegen die gängigen Erzählungen von Wachstum (jeden Tag in den Nachrichten, niemals hinterfragt), von Karriere, von Erfolg („mein Auto, mein Haus, meine Jacht“). Die kurzfristigen Glücksbringer des Konsums müssten eingetauscht werden durch in gefühlt ferner Zukunft liegende neue Qualitäten.

Daher gilt die Faustregel, dass das böse Wort ‚Verzicht‘ unbedingt vermieden werden muss. Unausgesprochen wird nämlich vorausgesetzt, dass wir Menschen im tiefen Grunde unserer Herzen alle Egoist*innen seien. 

Aber stimmt das?

Sind wir nicht eigentlich mehrheitlich in der Lage, Regeln des fairen Zusammenlebens einzuhalten? Die allermeisten Menschen ‚verzichten‘ schließlich darauf, zu morden, zu stehlen, zu betrügen, und dies nicht primär aus Angst vor der Strafe, sondern weil gesellschaftliche Normen des sozialen Zusammenlebens verinnerlicht wurden. Es gehört sich einfach nicht, und das reicht schon, um es nicht zu tun.

Somit stellt sich mir die Frage, ob mit dem erweiterten Horizont eines globalen Blicks auf die Kollateralschäden unseres Lebensstils nicht auch das allgemeine Gerechtigkeitsempfinden angesprochen werden kann.

Zweifellos ist es die Aufgabe der Politik, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass ein gerecht genügsames Lebens überhaupt ermöglicht wird. Doch dafür braucht es jene, die nicht auf den Tag X warten, an dem die Politiker*innen endlich ihre Hausaufgaben gemacht haben, sondern schon mal vorangehen, die suffiziente Strukturen bereits heute aufbauen, erproben und praktizieren.

(…) eine große Transformation (wird nur gelingen), wenn veränderte Narrative, Leitbilder oder Metaerzählungen die Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft neu beschreiben und sogenannte Pionier*innen des Wandels, also Einzelpersonen, Gruppen oder Organisationen, die Transformation (…) ‚von unten’ durch Innovationen und nachhaltige Praktiken anstoßen.“ 

Doch oft erlebt man in Diskussionen einen ausgesprochen starken Widerstand gegen individuelle Verhaltensänderungen. Schließlich müsse sich das System ändern. Zweifellos richtig, nur: Wie macht man das, das System ändern? Sind nicht wir (!) das System, oder zumindest doch ein entscheidender Teil davon? Oder anders gefragt: Wie kann man wirkmächtiger das System ändern, als bei sich selbst zu beginnen und damit andere zu inspirieren?

Interessanterweise kommt dieser Widerstand gegen das Individuelle gar nicht so selten von Menschen, die aus voller Überzeugung Veganer*innen sind. Dabei ist doch die persönliche Entscheidung, vegan zu leben geradezu der Inbegriff von individueller Verantwortungsübernahme. Veganismus ist (meist) die ethisch gut begründete und deshalb respektable Lebensentscheidung, nicht mehr an einem massiven Unrecht, dem Ausbeuten, Quälen und Töten von Tieren, teilzuhaben. Für sich gesehen ändert sie das System noch nicht – aber sie unterwandert es: Je mehr Menschen sich dem Veganismus anschließen, desto weniger kann die Tierausbeutungsindustrie Gewinne mit unserem Geld machen! So einfach ist das. Warum sollte das nicht auch für andere Arten der Konsumverweigerung gelten?

Die sogenannten Carbon Majors, eine Handvoll Konzerne, 36 an der Zahl, sind verantwortlich für mehr als die Hälfte der globalen CO2-Emissionen. Big Oil investierte 2024 (im heißesten Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen) über 1,1 Billionen Dollar in fossile Brennstoffe. Nicht zufällig sind diese Weltzerstörer aufs engste verbandelt mit Big Tech in der Hand einiger weniger rechtsextremer und antidemokratischer Multimilliadäre. Ihr Geschäftsmodell ist es, uns zu erzählen, wir müssten genauso egoistisch sein wie sie, wir müssten konkurrieren um Anerkennung, Status, materiellem Besitz und Macht. Sie sind deshalb so unerträglich erfolgreich, weil wir ihr Spiel mitspielen. Diese Leute haben genau so viel Macht über uns, wie wir ihnen geben. Wenn wir ihnen erlauben, uns selbst nur als Konsument*innen, also als ausbeutende und auszubeutende Masse zu erleben, dann sind wir ihnen schutzlos ausgeliefert. Dann geben wir unsere Autonomie auf, glauben nur, frei zu handeln, sind aber in Wahrheit Getriebene einer Konsumsucht, die uns von außen eingepflanzt wird. 

„Unterm Strich zähl ich“, der grässliche Werbeslogan der Postbank bringt es auf den Punkt – Egoismus als Kernbotschaft, der Mensch als ein asozialer Homo Oeconomicus, „there is no such thing as society“ (Margaret Thatcher 1987), das Leben als andauernder sozialdarwinistischer Konkurrenzkampf. 

Aber das ist alles falsch!

Wir Menschen können unter günstigeren Umständen sehr wohl freundliche, emphatische, soziale, sogar liebenswerte Wesen sein. Altruismus und soziales Miteinander ist unser evolutionäres Erfolgsrezept.

Wird die positive Seite in unserem Menschsein allein deswegen viel zu selten angesprochen, weil „gut sein wollen“ zu kitschig klingt? Oder weil das Bemühen um ethisch korrektes Handeln mal leichtfertig, mal boshaft als naives Gutmenschentum verunglimpft wird? Die Motivation, sich grundsätzlich nicht mehr an Ausbeutung zu beteiligen, sich nicht mehr durch „Männer, die die Welt verbrennen“ missbrauchen zu lassen, keinen Anteil am Unrecht mehr haben zu wollen, hat dieser Gedanke nicht – Schönheit?

Weniger ist fair

Das Konzept der Suffizienz ist daher auch ein Angebot für all jene, die schlicht gute Menschen sein wollen – und das sind die meisten! Es ist eine Einladung an alle, die verantwortungsvoll leben und nicht mehr nicht länger Handlanger der Zerstörung sein wollen.

Weniger (Konsum, Verschwendung, Ausbeutung von Natur und Mitmenschen) für den wohlhabenden Teil unserer Gesellschaft (!) ist nämlich wirklich fair gegenüber jenen, die NICHT genug haben. Wir sollten nicht mehr verbrauchen, als uns zusteht und nichts besitzen, was uns nicht gehört.                                                                                                                                                                                          

Also:  Unseren Wertekompass überdenken, unsre erstaunliche Empathie-Fähigkeit wirken lassen und den Mut haben, Wohlstand jenseits von materiellem Besitz neu zu denken.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                  

Warum wir weniger arbeiten sollten

Warum wir weniger arbeiten sollten

 

Warum wir weniger arbeiten sollten 

von Tabea Schünemann

These 1: Arbeit ist politisch 

 

Das Thema Arbeit ist gerade hoch im Kurs in der politischen Debatte. Während Merz und Co. das Recht auf Teilzeitarbeit abschaffen wollen und Menschen ihre systemisch erzeugte Erschöpfung vorwerfen, gehen aktuell bundesweit Bus- und Bahnfahrer*innen im Streik auf die Straße für lebensnotwendige Entlastung. Hier geht es um ein Wahlmodell, in welcher Form diese erfolgen kann: mehr Lohn, mehr Urlaub oder Reduzierung von 38h auf eine 35h Woche bei vollem Lohnausgleich. Der Kommunale Arbeitgeberverband in Sachsen ging stattdessen in die Verhandlung des Tarifvertrags Nahverkehr (TVN26) mit der Forderung einer Erhöhung der Arbeitszeit auf 40h/Woche ohne Lohnausgleich, Streichung von Zuschlägen und weniger Krankengeld. Forderungen à la CDU. 

 

Der Merz-Sprech ist Hohn in den Ohren der überlasteten Beschäftigten. „Ich will mich nicht weiter wie eine Zitrone ausquetschen lassen, ich bin doch keine Maschine“, sagt ein Straßenbahnfahrer bei einer ver.di Versammlung, „ich will mehr für meine Kinder da sein können“. Scheinbar ist ein krankes Kind zuhause zu haben, aber kein Grund für seine Chefs, eine Krankschreibung seinerseits zu akzeptieren. Ob er nicht eine Frau zu Hause habe, die sich kümmern könne? Pah!

 

  • Wir müssen weniger arbeiten, wenn wir das mit der Geschlechtergerechtigkeit hinkriegen wollen. Damit wir uns die Sorgearbeit überhaupt gerecht aufteilen können.

 

Auch Migrationspolitik setzt sich in Arbeitspolitik um. Faustregel: Wer einen unsicheren Aufenthaltsstatus hat, hat meist die beschisseneren Jobs. Und ist leichter durch Angst vom Streiken abzubringen, das wissen die Arbeitgeber durch alle Branchen hinweg ganz genau. Spaltung durch Rassismus, Sexismus usw. ist immer noch das erfolgreichste Mittel gegen einen gemeinsamen erfolgreichen Arbeitskampf. Umgekehrt kann man aber genauso gut sagen: Solidarität am Arbeitsplatz im gemeinsamen Kampf für gerechte Bedingungen ist das wirksamste Mittel gegen Spaltung, Hass, Ausgrenzung. „“Zusammen geht mehr“ ist nicht nur ein netter Slogan“, sagt ein Mitarbeiter nach einem Streiktag neben mir beim Pizzaessen, „es ist unsere Erfahrung“. 

 

Wer also gegen rechts und für ein gutes Leben für alle eintreten will, ist bei der Unterstützung von Streiks im öffentlichen Dienst richtig. Und sei es nur durch das eigene Verständnis und positiv darüber Reden. 

 

Aber was hat das jetzt mit dem Klima zu tun?

 

These 2: Weniger arbeiten ist Bedingung für eine lebenswerte Zukunft auf diesem Planeten

 

Ich kenn das von mir: Wenn ich gestresst bin und wenig Zeit habe, treffe ich schlechte Entscheidungen fürs Klima. Schnell noch die Tiefkühlpizza reinschieben, schnell was bestellen, weil zum Laden zu gehen hab ich keine Zeit und um die Hose zu reparieren, auch nicht, also zack, ne neue gekauft. Alles nicht so sehr „Leben im Genug“, wie der Sachverständigenrat für Umweltfragen es als notwendige Strategie fordert. 

Die Autorin Sara Weber schreibt: „Zeit ist eines der wichtigsten Güter, das wir brauchen, um die Klimakrise zu bekämpfen“. Wir brauchen Zeit, um uns zu engagieren, auszutauschen, zu vernetzen, zu bilden, Gewohnheiten zu ändern, und uns einzusetzen. Fakt ist auch: Länder mit kürzerem Arbeitspensum haben tendenziell einen geringeren ökologischen Fußabdruck. 

Woran liegt das? 

 

  • Wer weniger arbeitet, pendelt weniger. So ließen sich ratz fatz Millionen Tonnen CO2 einsparen. Studien aus Großbritannien zeigen: Würde die Viertagewoche auf breiter Basis eingeführt, wäre das so wirksam, wie 27 Millionen Autos von der Straße zu nehmen, also alle Autos in Großbritannien! This is what I call „Einsparpotential“, CDU!
  • Wer weniger arbeitet, hat mehr Zeit für klimagerechtes Verhalten & politisches Engagement. Statt Wochenendtrips mit dem Flieger „zur verdienten Erholung“ gibt es Zeit für gesündere, nachhaltige Aktivitäten, bewusstere Konsumentscheidungen. Mehr für das, was wirklich zählt. Das würde uns gesünder machen. Und weniger einsam. 
  • Zu guter Letzt: Vor allem die Produktionsseite ist auch wichtig! Das Motto sollte sein: Anders nutzen und verteilen statt durch Arbeit immer mehr bauen, produzieren, schlachten, aufrüsten, … 

 

These 3: Die Klimakrise verändert das Arbeiten sowieso

2019 starb ein Saisonarbeiter aus Kroatien bei glühender Hitze auf der Arbeit auf einem Erdbeer- und Spargelfeld in Hessen. Kein Einzelfall. Auch auf dem Bau führen die Extremwetterbedingungen zu gefährlichen Arbeitsbedingungen. Die Branche ist jetzt schon massiv vom Klimawandel betroffen und gleichzeitig einer ihrer größten Treiber. Hier stellt sich die Frage, wer die Kosten der Klimakrise tragen wird. Sind es die Arbeiter*innen, die durch Mehrarbeit den Profitverlust ausgleichen sollen oder kann hier Entlastung für Klimagerechtigkeit sorgen? Klar ist: Hier gibt es plötzlich völlig unverhofftes Potential für Bündnisse im Kampf für Klimagerechtigkeit, wie es in Deutschland das Bündnis „Wirfahrenzusammen“ aus Fridays for Future und ver.di zeigt. Mit „LeipzigStehtZusammen“ habe ich aktuell die Ehre, im Nachfolgeprojekt in Leipzig die oben erwähnten Tarifkämpfe zu unterstützen. 

 

These 4: Erschöpfung politisieren!

 

Das macht mir sehr viel Hoffnung. Denn da gibt es Mehrheiten für ein Thema, ganz unabhängig von Ideologien, Milieus und Einstellungen zu Greta Thunberg. Und echte politische Hebel zur Veränderung durch Streiks. Entlastung durch Arbeitszeitverkürzung ist ein gemeinsames Thema. Alle arbeitenden Menschen würden davon profitieren. Und das Klima auch. Enorm. 

Lasst uns also unsere Erschöpfung an der Arbeit, unsere „Burn-Out“-Gesellschaft, unseren Frust über ungleich verteilte Kinderbetreuung und das „immer zu wenig Zeit haben“ Gefühl politisch denken! Raus aus der Hustle-Culture, hin zum Genug für alle!

 

Gerade, und vor allem, für die Klimagerechtigkeit. 

 

Weniger (arbeiten) ist fair! 

 

 

Weiterlesen: 

https://taz.de/Arbeitszeit-in-Deutschland/!6085829/

https://7yov5.r.sp1-brevo.net/mk/mr/sh/1t6AVsd2XFnIGISmTMiYenZ5p6CBuO/10IFFhvgpUA9

Simon Schaupp: Stoffwechselpolitik. Arbeit, Natur und die Zukunft des Planeten. https://www.suhrkamp.de/buch/simon-schaupp-stoffwechselpolitik-t-9783518029862

https://www.verdi.de/oeffentliche-private-dienste/mein-arbeitsplatz/busse-und-bahnen/tarifrunde-tv-n-2026

https://tabeaschreibt.wordpress.com/2025/11/15/nein/

 

Schluss mit der Man-müsste-mal-GesellschafT

Schluss mit der Man-müsste-mal-GesellschafT

 

Schluss mit der Man-müsste-mal-Gesellschaft

von Roland Vossebrecker

Seit geraumer Zeit fühle ich mich zunehmend belastet durch Fragen, drängende, bohrende, schlafraubende…

Als ich vor gut vier Jahren mit ein paar Freundinnen und Freunden begann, die Initiative KlimaGerecht Leben zu gründen, als eine Gruppe Menschen, die im „Vertrag mit Dir selbst“ die Bereitschaft erklären, individuell, gesellschaftlich und politisch Verantwortung für das große Ziel der Klimagerechtigkeit zu übernehmen, da ging es mir auch darum, endlich meinen persönlichen man-müsste-mal-Modus zu überwinden.

In unzähligen Gesprächen und Diskussionen mit Freund*innen und Bekannten lief es doch immer wieder auf das Gleiche hinaus: Man – wahlweise die Regierung, die Konzerne, die Gesellschaft, die Parteien oder schlicht die Leute – müssten dieses oder jenes tun oder lassen, um die Klimakrise zu entschärfen. Und dabei sind es so gut wie immer die anderen, die was tun müssten! Ich ging mir damit irgendwann selbst unfassbar auf die Nerven.

Und so hat es gut getan, die IKGL zu gründen, durchzustarten mit dieser kleinen, aber energischen und klugen Gruppe Gleichgesinnter. Ich glaube, wir dürfen heute sagen, dass wir etwas bewegt haben.

Und doch, sie sind wieder da, die

Fragen, drängende, bohrende, schlafraubende…

Seitdem hat sich viel bewegt in der Welt, und wenig davon zum Guten. Zwei der drängendsten Probleme unserer Zeit, die Klimakatastrophe und der globale Rechtsruck (und damit die Krise der Demokratie) haben jeweils in ihren Hochzeiten Hunderttausende auf die Straßen gebracht. Am 20. September 2019 demonstrierten deutschlandweit etwa 1,4 Millionen Menschen für mehr Klimaschutz, Anfang 2024 trieb es unzählige Menschen gegen die AfD und für die Demokratie in die Demos.

Das überwältigende gemeinschaftliche Hochgefühl jener Tage scheint verpufft zu sein. Das Klimathema hat (für die Leute, nicht für die Physik!) scheinbar völlig an Bedeutung verloren und die AfD ist laut Umfragen stärker denn je. Mit etwas Pech wird sie in diesem Jahr erstmalig einen Ministerpräsidenten (bewusst nicht gegendert!) stellen können.
So stellt sich die Frage, ob unsere Form des gesellschaftlichen Engagements und Aktivismus überhaupt noch zeitgemäß ist. Und vor allem: Welche Alternativen haben wir? Wie können, wie sollten wir Widerstand leisten? Sind wir widerständig genug?

Fragen, drängende, bohrende, schlafraubende…

Während die Krisen-Szenarien immer bedrohlicher werden, scheint unsere Gesellschaft erschöpft, gleichgültig vor Müdigkeit. Die Auslagen in den Politikregalen der Buchläden sind voll von Handlungsempfehlungen wie „Das Buch gegen Nazis: Rechtsextremismus – was man wissen muss und wie man sich wehren kann“. Man findet auch Titel wie „Welt retten! Was jede*r dafür tun kann“ oder „Wie genau die Welt retten?“ oder sogar „#klimaretten: Jetzt Politik und Leben ändern“. Nur, warum macht das niemand? Sind wir nicht alle schon wieder rückfällig im man-müsste-mal angekommen?

Jeden Morgen beim Blick in die Nachrichten fragt man sich, worüber man sich denn heute empören sollte – und dafür gibt es viele, allzu viele traurige Anlässe. Doch meist bleibt’s beim Empören und man denkt sich heimlich, man… Ihr wisst schon.

Fragen, drängende, bohrende, schlafraubende…

Sind wir also bereit, wenn es wirklich drauf ankommt? Und ist nicht schon diese Frage falsch gestellt, weil es längst drauf ankommt?

Wo werden wir sein, wenn sie kommen, um unsere Nachbar*innen zu deportieren, nach Syrien, nach Afghanistan, wie es die – nein, nicht die AfD, wie es die CSU nun fordert?

Wo wird sie sein, unsere vielbeschworene Solidarität, wenn es hart auf hart kommt in der Klimakatastrophe?

Fragen, drängende, bohrende, schlafraubende…

Und wo stehe ich? Genüge ich noch meinen eigenen Ansprüchen? Ist mein Aktivismus noch angemessen, wird er den Herausforderungen gerecht? 

Ich bin erschöpft, nicht gleichgültig, aber doch müde, sehr müde.

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So weit, so depri. Aber dann kam unser Offener Klimatalk am 24. Februar. Wir gaben ihm das Motto Raus aus dem „Man-müsste-mal-Modus“, ein gewagtes, aber voll geglücktes Experiment!

*** Dringend zur Nachahmung empfohlen ***

Erfreuliche 18 Menschen kamen, darunter zwei 17-jährige Schülerinnen, die darauf brennen, aktiv zu werden, sich zu engagieren, etwas zu bewegen. Aus einem Bündel guter Ideen haben wir vier soziale, suffiziente Projekte herausgearbeitet, die in nächster Zeit umgesetzt werden sollen. Für alle vier gibt es bereits Vorbilder aus anderen Städten, von denen wir lernen dürfen.

  1. Das „Du hast Hunger? Dein Essen ist schon bezahlt“-Projekt. Noch fehlt uns ein griffiger Titel, aber die Idee ist so einfach wie effektiv. Viele Menschen können sich oft ihr Essen kaum leisten. Vielen anderen aber würde es nicht wehtun, ein paar Euro weniger in der Tasche zu haben. Sie sollen die Möglichkeit bekommen, den bedürftigen Menschen ein Essen zu spendieren. 

Wir versuchen, mit Bäckereien zu starten – „Dein Kaffee/deine Brötchen/dein Brot sind schon bezahlt“. Wenn wir erfolgreich sind, dann möchten wir das Konzept auf Cafés und Restaurants ausweiten.

  1. Man muss nicht für alles Geld bekommen, man kann Nützliches auch einfach verschenken. Die Idee eines Verschenk- oder Umsonst-Ladens wollen wir mit einem Stand beim Tag der Offenen Gesellschaft am 20. Juni erstmalig realisieren.
  2. Wir erarbeiten eine Datenbank für „Gute Orte Bergisch Gladbach“. Darin werden Bioläden, Begegnungsorte, Tauschbörsen, Orte für Jugendliche, Repair-Cafés, Second-hand-Shops, Unverpacktläden u. v. a. m. aufgeführt. Es gibt bereits viel mehr gute Orte, als den meisten bekannt ist.
  3. Ein großes ehrgeiziges Ziel für die Zukunft ist ein demokratischer Begegnungsort für Alle nach dem Vorbild „Wohnzimmer der Gesellschaft 

Dort könnten ein Verschenk-Laden, eine Bücherei der Dinge, eine Küfa (Küche für alle), ein Spieletreff, ein Begegnungsraum und vieles mehr ihren Platz haben. Klar ist, dass wir das nicht allein werden stemmen können. Aber die Idee ist so reizvoll, so vielversprechend, dass sich das gemeinsame Brainstormen auf jeden Fall lohnen wird.

Und wenn auch nur ein oder zwei Projekte davon Wirklichkeit werden, dann hat es sich schon gelohnt! Wenn man’s nicht probiert, dann ist man schon gescheitert! Wir bleiben dran. Beim nächsten Klimatalk werden wir die Ideen weiterentwickeln.

 

Nachtrag:

Nichts ärgert die AfD mehr, als gelingende soziale Projekte! Ihr Kapital ist Unzufriedenheit, Egoismus und billige Empörung. Wir halten dagegen mit Mitmenschlichkeit und Solidarität.

COP 30 – Erfolg oder Scheitern?

COP 30 – Erfolg oder Scheitern?

 

COP 30 – Erfolg oder Scheitern?

von Roland Vossebrecker

Die COP 30 ist Geschichte, Umweltminister Carsten Schneider ist „ein bisschen enttäuscht“…

Wie siehst Du das Resultat dieser Weltklimakonferenz? Kannst Du Fortschritte sehen? Was macht Dir Hoffnung? Was sind Deine Emotionen zum Abschluss und Ergebnis der COP 30?

Schreibe uns in der Kommentarfunktion.

 

Hier meine ganz persönliche Einschätzung:

Wenn sich die Weltgemeinschaft 10 Jahre nach dem Pariser Abkommen nicht darauf verständigen kann zu bekunden, dass man es damals in Paris ernst gemeint habe, dann ist für mich nicht nur die COP 30, sondern das Format COP als Ganzes gründlich gescheitert. 

In schöner Regelmäßigkeit richtet sich nach jeder enttäuschenden Konferenz der hoffnungsvolle Blick auf die nächste, in diesem Fall auf die COP 31 in der Türkei. Ich kann mich diesem Zweckoptimismus nicht mehr anschließen, lasse mich aber gerne positiv überraschen.

Für mich hat die COP 30 einmal mehr gezeigt, dass der notwendige Wandel – wenn er denn überhaupt kommt – nicht von den Regierungen und Staaten ausgehen wird. Er muss von unten kommen, er muss von UNS kommen. Von all jenen, die sich dem fossilen System verweigern, die nicht mehr mitmachen wollen bei Zerstörung und Ausbeutung von Mitwelt und Mitmenschen.

Roland Vossebrecker