Suffizienz als Strategie des Genug – und Strategie gegen rechts!

Suffizienz als Strategie des Genug – und Strategie gegen rechts!

Suffizienz als Strategie des Genug – und Strategie gegen rechts!

von Tabea Schünemann

Genug für alle – so haben wir das Fachwort Suffizienz für uns als Initiative gefüllt und gedeutet.

Es geht um nichts Geringeres als um eine Utopie, die im Jetzt beginnt und Menschen solidarisch zueinander bringt. 

Genug für alle ist eine Strategie – also ein Plan, wie wir mit Sicherheit zur Sicherheit kommen.
Sicherheit brauchen wir und die geballte Kombination aus einem „Genug für alle“ mit einer Energie-, Verkehrs- und Ernährungswende kann uns dahin bringen. 

Die Krise der Benzinpreise zeigt: Abhängigkeit von fossilen Energien und ihren Auto-Kraten ist unfair, teuer und rückwärtsgewandt. Drei Schlagworte, die auch die aktuelle Klimapolitik der Bundesregierung beschreiben. Eigentlich kein Wunder, an Stelle der Union würde ich auch lieber meinen Großspendern nach der Pfeife tanzen, um an der Macht zu bleiben. Leider macht sie das undemokratisch und unwählbar. Abwählen können wir die Grauen Herren ja aber zum Glück wieder, nicht wahr, Viktor? 

Die Menschen werden sich aber nur von AfD und der rechten CDU abwenden, wenn wir ihnen wirklich etwas entgegensetzen. Eine eigene Vision anbieten. Eine eigene Politik umsetzen. Eine Politik des Genug für Alle. Genug Wohnraum, genug Zeit, genug Essen. Ohne Angst, dass irgendwer einem was wegnimmt. Denn: Alle neonazistischen Wutbürger*innen können einmal durchatmen: Wir haben genug von all dem! Dass es unfair verteilt ist, damit haben sie ja recht. Nur wo unser Wohlstand liegt, da irren sie sich gewaltig. Nämlich bei denen, die für ihr Geld nicht gearbeitet haben, nichts für unser Land tun und dem Staat auf der Tasche liegen – genau, bei den Überreichen. 

Die gute Nachricht ist: Es ist genug für alle da. Wir können aufhören mit der sinnlosen Produktion unter schlechten Bedingungen, von Dingen, die nicht glücklich, sondern Müll und Mühe und Klimakrise machen. 

Wir können auch anders. Wir können solidarische Menschen sein, die teilen, tauschen, reparieren, sich Zeit lassen und lieben. 

Dieses System ist in seiner Spätphase. Das aktuelle Modell ist nicht zukunftsfähig und ich sehe so viele mutige, hoffnungsvolle kreative Menschen mit mutigen, hoffnungsvollen, kreativen Ideen für eine gerechtere Welt. 

Wenn die Ressourcen klimabedingt knapp werden, wenn wir weiter Spielball der Fossilen bleiben, wenn unsere Regierung dem Ganzen nur mit Angst und Tankrabatten begegnet, dann gewinnen die Menschen, die diese Angst organisieren. Wir müssen ehrlich sein: Es muss sich alles verändern, aber wir können das gemeinsam und solidarisch machen. Wir müssen nicht die Mauern hochziehen um unsere vermeintlichen Goldhaufen, wir müssen nicht auf alle schießen, die genauso einfach überleben wollen wie wir. Wir können unsere Wirtschaft so organisieren, dass sie unsere Bedürfnisse deckt. Dann müssen wir auch keine Angst haben. Erst, wenn Menschen das Genug in ihrem eigenen Leben spüren, werden sie aufhören, nach unten zu treten. Wenn es eine solidarische Alternative gibt zu Konkurrenz und zu einem „immer mehr“, das uns alle zerstört, werden sie ihre Ellbogen einfahren und die Hände ausstrecken. Fangen wir doch damit an. 

 

Erste Hilfe gegen rechts – meine aktuellen persönlichen Lieblings-Maßnahmen gegen die Ohnmacht: 

  • Vernetze & engagiere dich lokal -> Nachahmung empfohlen: mit unser Klimainitiative entsteht gerade in Bergisch-Gladbach ein „Wohnzimmer der Demokratie“ (mehr dazu hier: https://klimagerecht-leben.de/schluss-mit-der-man-muesste-mal-gesellschaft) 
  • Spende Geld an lokale Demokratieprojekte, etwa mit dieser Campact Aktion gegen die AfD bei den anstehenden Landtagswahlen: https://aktion.campact.de/rechtsextremismus/no-afd-fonds/spenden?dv=10-25-50-75-100&utm_campaign=empf1&utm_content=1411&utm_medium=recommendation&utm_source=rec-wa&utm_term=inside_flow
  • Wie sieht es an deinem Arbeitsplatz aus? Wie demokratisch ist deine Arbeit organisiert? Erlebe Selbstwirksamkeit und Solidarität statt Spaltung, indem du dich in deiner Gewerkschaft mit anderen für bessere Arbeitsbedingungen einsetzt.
  • Setze deine eigenen, progressiven Themen im Gespräch und auf Social Media: Abgrenzung ist natürlich wichtig, aber ich will über die echten Krisen reden, nicht die eingeredeten.
  • Jetzt schon an 2029 denken: welche Person aus deinem Umfeld willst du zum Demokratie & Klima-wählen bei der Bundestagswahl bewegen? Welche Wahlen stehen sonst an bei dir? 
  • Geh zu den Prüf-Demos: Die Idee: „Wir demonstrieren in allen Landeshauptstädten so lange, bis der Bundesrat beim Bundesverfassungsgericht
    die Überprüfung aller vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall oder gesichert rechtsextrem eingestuften Parteien beantragt hat.“ https://pruef-stand.de/
  • Gestehe dir selbst ein: du kannst nicht alles machen. Auch dein eigenes Genug ist wichtig. Pausen sind antikapitalistisch im Kern. Und: Wir dürfen Fehler machen. Wirklich. Wir dürfen Grenzen haben. Such dir eine Sache aus, für die du brennst, anstatt mit Instagram in Ohnmacht zu verfallen. 
  • Übe dich in Zivilcourage: höre deinen Rassismus-Betroffenen friends zu, lies auch als Mann ein feministisches Buch und widersprich der verbalen Gewalt in der Straßenbahn. Übe mit deinen friends, was ihr machen würdet, wenn ihr in der Öffentlichkeit rassistische Gewalt etc. mitbekommt. Wir werden gebraucht!
  • Und natürlich: setze dich mit uns gemeinsam für eine Politik und Gesellschaft des Genug ein. Informiere dich, sprich mit anderen darüber, vernetze dich mit uns und anderen und werde so aktiv, wie es dir entspricht. ☺ 
Gut sein

Gut sein

 

Gut sein

von Roland Vossebrecker

„Suffizienz ist viel mehr als nur weniger“

Dieses geflügelte Wort der Suffizienz-Bewegung will darauf verweisen, dass über den individuellen Verzicht hinaus eine suffiziente Lebensweise einen Gewinn an Lebensqualität und eine gesündere, friedlichere und gerechtere Gesellschaft verspricht. Das Leben im Genug ist also kein Opfergang in ein darbendes trostloses Dasein, sondern im Gegenteil ein erfüllendes und zufriedenes. Die Benefits des genügsamen Lebens aufzuzeigen, ist das A und O einer erfolgreichen Suffizienz-Kommunikation.

„Suffizienz kann Baustein eines gelingenden Lebens sein“ 

Dennoch ist es offensichtlich herausfordernd, die Vorteile einer Gesellschaftsutopie zu vermitteln, die die planetaren Grenzen schont und Ausbeutung von Natur und Mitmenschen vermeidet. Denn dieses Narrativ steht gegen unsere Alltagserfahrung, gegen die gängigen Erzählungen von Wachstum (jeden Tag in den Nachrichten, niemals hinterfragt), von Karriere, von Erfolg („mein Auto, mein Haus, meine Jacht“). Die kurzfristigen Glücksbringer des Konsums müssten eingetauscht werden durch in gefühlt ferner Zukunft liegende neue Qualitäten.

Daher gilt die Faustregel, dass das böse Wort ‚Verzicht‘ unbedingt vermieden werden muss. Unausgesprochen wird nämlich vorausgesetzt, dass wir Menschen im tiefen Grunde unserer Herzen alle Egoist*innen seien. 

Aber stimmt das?

Sind wir nicht eigentlich mehrheitlich in der Lage, Regeln des fairen Zusammenlebens einzuhalten? Die allermeisten Menschen ‚verzichten‘ schließlich darauf, zu morden, zu stehlen, zu betrügen, und dies nicht primär aus Angst vor der Strafe, sondern weil gesellschaftliche Normen des sozialen Zusammenlebens verinnerlicht wurden. Es gehört sich einfach nicht, und das reicht schon, um es nicht zu tun.

Somit stellt sich mir die Frage, ob mit dem erweiterten Horizont eines globalen Blicks auf die Kollateralschäden unseres Lebensstils nicht auch das allgemeine Gerechtigkeitsempfinden angesprochen werden kann.

Zweifellos ist es die Aufgabe der Politik, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass ein gerecht genügsames Lebens überhaupt ermöglicht wird. Doch dafür braucht es jene, die nicht auf den Tag X warten, an dem die Politiker*innen endlich ihre Hausaufgaben gemacht haben, sondern schon mal vorangehen, die suffiziente Strukturen bereits heute aufbauen, erproben und praktizieren.

(…) eine große Transformation (wird nur gelingen), wenn veränderte Narrative, Leitbilder oder Metaerzählungen die Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft neu beschreiben und sogenannte Pionier*innen des Wandels, also Einzelpersonen, Gruppen oder Organisationen, die Transformation (…) ‚von unten’ durch Innovationen und nachhaltige Praktiken anstoßen.“ 

Doch oft erlebt man in Diskussionen einen ausgesprochen starken Widerstand gegen individuelle Verhaltensänderungen. Schließlich müsse sich das System ändern. Zweifellos richtig, nur: Wie macht man das, das System ändern? Sind nicht wir (!) das System, oder zumindest doch ein entscheidender Teil davon? Oder anders gefragt: Wie kann man wirkmächtiger das System ändern, als bei sich selbst zu beginnen und damit andere zu inspirieren?

Interessanterweise kommt dieser Widerstand gegen das Individuelle gar nicht so selten von Menschen, die aus voller Überzeugung Veganer*innen sind. Dabei ist doch die persönliche Entscheidung, vegan zu leben geradezu der Inbegriff von individueller Verantwortungsübernahme. Veganismus ist (meist) die ethisch gut begründete und deshalb respektable Lebensentscheidung, nicht mehr an einem massiven Unrecht, dem Ausbeuten, Quälen und Töten von Tieren, teilzuhaben. Für sich gesehen ändert sie das System noch nicht – aber sie unterwandert es: Je mehr Menschen sich dem Veganismus anschließen, desto weniger kann die Tierausbeutungsindustrie Gewinne mit unserem Geld machen! So einfach ist das. Warum sollte das nicht auch für andere Arten der Konsumverweigerung gelten?

Die sogenannten Carbon Majors, eine Handvoll Konzerne, 36 an der Zahl, sind verantwortlich für mehr als die Hälfte der globalen CO2-Emissionen. Big Oil investierte 2024 (im heißesten Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen) über 1,1 Billionen Dollar in fossile Brennstoffe. Nicht zufällig sind diese Weltzerstörer aufs engste verbandelt mit Big Tech in der Hand einiger weniger rechtsextremer und antidemokratischer Multimilliadäre. Ihr Geschäftsmodell ist es, uns zu erzählen, wir müssten genauso egoistisch sein wie sie, wir müssten konkurrieren um Anerkennung, Status, materiellem Besitz und Macht. Sie sind deshalb so unerträglich erfolgreich, weil wir ihr Spiel mitspielen. Diese Leute haben genau so viel Macht über uns, wie wir ihnen geben. Wenn wir ihnen erlauben, uns selbst nur als Konsument*innen, also als ausbeutende und auszubeutende Masse zu erleben, dann sind wir ihnen schutzlos ausgeliefert. Dann geben wir unsere Autonomie auf, glauben nur, frei zu handeln, sind aber in Wahrheit Getriebene einer Konsumsucht, die uns von außen eingepflanzt wird. 

„Unterm Strich zähl ich“, der grässliche Werbeslogan der Postbank bringt es auf den Punkt – Egoismus als Kernbotschaft, der Mensch als ein asozialer Homo Oeconomicus, „there is no such thing as society“ (Margaret Thatcher 1987), das Leben als andauernder sozialdarwinistischer Konkurrenzkampf. 

Aber das ist alles falsch!

Wir Menschen können unter günstigeren Umständen sehr wohl freundliche, emphatische, soziale, sogar liebenswerte Wesen sein. Altruismus und soziales Miteinander ist unser evolutionäres Erfolgsrezept.

Wird die positive Seite in unserem Menschsein allein deswegen viel zu selten angesprochen, weil „gut sein wollen“ zu kitschig klingt? Oder weil das Bemühen um ethisch korrektes Handeln mal leichtfertig, mal boshaft als naives Gutmenschentum verunglimpft wird? Die Motivation, sich grundsätzlich nicht mehr an Ausbeutung zu beteiligen, sich nicht mehr durch „Männer, die die Welt verbrennen“ missbrauchen zu lassen, keinen Anteil am Unrecht mehr haben zu wollen, hat dieser Gedanke nicht – Schönheit?

Weniger ist fair

Das Konzept der Suffizienz ist daher auch ein Angebot für all jene, die schlicht gute Menschen sein wollen – und das sind die meisten! Es ist eine Einladung an alle, die verantwortungsvoll leben und nicht mehr nicht länger Handlanger der Zerstörung sein wollen.

Weniger (Konsum, Verschwendung, Ausbeutung von Natur und Mitmenschen) für den wohlhabenden Teil unserer Gesellschaft (!) ist nämlich wirklich fair gegenüber jenen, die NICHT genug haben. Wir sollten nicht mehr verbrauchen, als uns zusteht und nichts besitzen, was uns nicht gehört.                                                                                                                                                                                          

Also:  Unseren Wertekompass überdenken, unsre erstaunliche Empathie-Fähigkeit wirken lassen und den Mut haben, Wohlstand jenseits von materiellem Besitz neu zu denken.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                  

Petition – #wenigeristfair

Petition – #wenigeristfair

Petition
#wenigeristfair
Keine Klimagerechtigkeit ohne Suffizienz

von Roland Vossebrecker

Pünktlich zum Ende der parlamentarischen Sommerpause ist soeben unsere Petition zu SUFFIZIENZ online gegangen. 

Keine Klimagerechtigkeit #wenigeristfair

Wir fordern darin unsere maßgeblichen Politiker*innen auf, sich endlich mit der Tatsache auseinanderzusetzen, dass es ohne ein Ende von maßloser Ressourcenausbeutung und Überkonsum, ohne ein GENUG FÜR ALLE nicht gehen kann mit dem Erhalt unserer Lebensgrundlagen.

Bitte unterzeichnet die Petition und verbreitet sie auf allen Kanälen, wo immer es möglich ist.

Weniger ist Fair

Weniger ist Fair

Weniger ist Fair

von Tabea Schünemann

Man könnte das auch umdrehen: Immer mehr ist gar nicht fair!

Immer mehr ist aber die Grundlage unseres Wirtschaftssystems. 

Die physikalische Wahrheit ist: Das ist nicht zukunftsfähig. Und auch gegenwärtig schon ungerecht. Unsere Wirtschaft macht die Reichen reicher, die Armen ärmer. Das Einzige, was zuverlässig wächst, ist der Spalt in der Gesellschaft. 

Und: Unser Planet hat Grenzen und wir haben die meisten schon überschritten. 

Das ist nicht blöd fürs Klima, das ist brandgefährlich für uns! Schreibe ich bei 36 Grad. Und es wird noch heißer. Und wir deshalb nie wieder leiser! 

 

Oft drehen sich Diskussionen um das böse Wort Verzicht. 

Ich frag mich dann: Leben wir denn schon wirklich in der besten aller möglichen Welten? 

Anders gefragt: Worauf verzichten wir aktuell?

Ich schreibe diese Zeilen in einem gottlos verspäteten, viel zu teuren Zug. Wir verzichten also gerade auf die Möglichkeit, so von A nach B zu kommen, dass

  1. Es stressfreie und bezahlbare Alternativen zum Auto gibt
  2. Alle daran teilhaben können
  3. Kinder in der Stadt frei spielen können 
  4. Wir sicher in der Stadt unterwegs sind 

Dann fahre ich nachhause, in mein Dachgeschoss-WG-Zimmer. Immerhin habe ich ein Zimmer, auch wenn die Hitze sich darin staut wie die Zettel auf meinem Schreibtisch. Das geht nicht allen so. Das mit dem bezahlbaren Wohnraum. 

Wir verzichten also darauf, so zu wohnen, dass

  1. für alle genug Platz ist
  2. es für alle bezahlbar ist 
  3. wir darin vor Hitze und Kälte geschützt sind 

 

Jetzt noch schnell einkaufen, uff, auch das ist meistens weder gut noch günstig.

Wir verzichten also darauf, uns so zu ernähren, dass

  1. gesunde Ernährung für alle möglich ist
  2. es gesund für uns und den Planeten ist
  3. wir es wertschätzen und nicht Geld in die Tonne werfen in Form von verschimmeltem Brot
  4. wir die Herstellung fair bezahlen 

All diese Probleme könnten auch durch eine Umstrukturierung der Arbeit gelöst werden. Denn mit einem bedingungslosen Grundeinkommen oder zumindest fairen Löhnen für wirklich sinnvolle Arbeit, könnten wir die Arbeitszeit verkürzen und hätten mehr Zeit, um uns zu kümmern:
um uns, unsere Liebsten und unsere Umwelt. 

Wir verzichten auf Qualität! Auf das, was uns wirklich wichtig ist. 

Wir haben zu wenig von: Zeit, Gesundheit, Zufriedenheit, einer sicheren Zukunft und einem guten Gewissen den Marginalisierten der Gegenwart gegenüber. 

So viele Menschen verzichten auf das Mindeste, damit wir „uns mal was gönnen können“. Es sind nur 11% der Menschen weltweit, die überhaupt fliegen. Woher nehmen wir dieses Recht? Aus unserer Hautfarbe oder unserer Nationalität? Bei dem Gedanken wird mir schlecht. 

Die Antwort ist:
Weniger von dem Quatschkonsum, mehr Grenzen für die größten Zerstörer, mehr von dem Guten! 

Auf den Weg dahin müssen wir uns natürlich gemeinsam einigen. Ich will ja gerade nicht, dass ein paar Wenige alles bestimmen. 

Und: unser brennender Planet seufzt, ächzt und schreit:
Wie wollt ihr eigentlich leben?
Oder nein: Wollt ihr eigentlich leben? 

Demokratisch, praktisch, gut – gelebte Suffizienz

Demokratisch, praktisch, gut – gelebte Suffizienz

Demokratisch, praktisch, gut – gelebte Suffizienz

von Tabea Schünemann

Vielleicht hat der eine oder die andere von euch ja bereits unsere Zusammenfassungen des SRU-Thesenpapiers gelesen und denkt sich jetzt: Ja, Suffizienz, wichtig und richtig, aber was heißt das jetzt bitte konkret?
Wie sollen wir jemals dahin kommen, immerhin irgendwie das ganze System ändern und das noch bei der aktuellen politischen Lage???

Ich will dazu folgendes sagen: 

Erstens: Wie Eckardt von Hirschhausen so schön sagt: Physik bleibt Physik, auch wenn Du sie damals in der Schule abgewählt hast. Soll heißen: Die Einhaltung planetarer Grenzen für unser (Über)Leben auf der Erde durch Suffizienz bleibt notwendig, auch wenn „niemand mehr übers Klima spricht“.  Die Überschwemmungen und Hitzewillen von 2024 bezeugen dies. 

Zweitens: Ich finde die aktuellen Trumpschen usw. Entwicklungen auch furchterregend und den Koalitionsvertrag zum Heulen. Wie kann man so sein? Trotzdem gibt es in mir eine Stimme, die nach dem Heulen dann wütend wird und sagt: Dann jetzt erst recht! Und es stimmt einfach nicht, dass niemand übers Klima spricht, sich darüber Sorgen macht oder die notwendigen Schritte gehen will. Wir müssen uns nur zusammentun. 

Drittens: Genau das passiert gerade mit unserem Suffizienz-Bündnis. Hier kommen Leute zusammen, denen das Thema schon lange oder ganz frisch (wie mir) im Herzen brennt und lodert. Die keine Lust mehr haben auf „Weiter so“ und Politiker*innen, die ihre Arbeit verweigern und uns Versprechen machen, die sie wegen Naturgesetzen nicht halten können. Menschen, die Lust haben auf Veränderung, die sagen: Wir könnten es so schön haben! Und die dann die nötigen Schritte dahin gehen. 

Also, wie kommen wir denn jetzt dahin? 

Zuerst habe ich festgestellt, dass das Wort Suffizienz vielleicht den wenigsten bekannt sein mag, aber es doch viele Beispiele für suffiziente Praktiken gibt, die wir kennen. 

D.h. jedes Mal, wenn Du…

… deinen Laptop zur Reparatur bringst

… dich beim Shoppen fragst, ob du das wirklich brauchst und die Jacke wieder zurückhängst

… von deiner Freundin ein Buch ausleihst

… dieses Buch liest statt Netflix zu schauen 

… auf Flohmärkte gehst

… Alternativen zum Fliegen googelst und benutzt

… du dich durchringst, „mit Hafermilch“ zu sagen

… die matschige Banane zuerst isst 

… du dein Zimmer untervermietest 

 

… ist das gelebte Suffizienz! 

 

Das alles ist ein Teil einer Strategie des Genug. Konkrete Handlungen im Alltag. Und wie immer ist es Aufgabe der Politik, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass Suffizienz eine Struktur und keine heroischen Einzeltaten ist. 

 

D.h. konkret brauchen wir…

… die Wiedereinführung des Reparaturbonus (wie es ihn z.B. in Sachsen schon gab) 

… Förderung von Tausch- und Leihoptionen 

… eine Kerosinsteuer

… kostenlosen ÖPNV

… Subventionen für pflanzlichen Produkten (statt tierischen)

… eine Regelung gegen Lebensmittelverschwendung in Supermärkten

… eine bessere Nutzung von Wohnraum 

… eine Entwicklung hin zu einer Kreislaufwirtschaft

… Bildungsprogramme zur Suffizienz

… und vor allem ein Ende der Lüge, dass es ohne Veränderung in unserem Leben und Wirtschaften weitergehen kann 

 

Das sind nur einige Vorschläge, aber ihr merkt: Es gibt so viele konkrete Ideen. Wer das bezahlen soll? Vielleicht die, die am meisten Co2 verursachen, oder?

Was mich daran begeistert: Suffizienz beinhaltet damit 

  • Einerseits eine große allumfassende Utopie, ein Träumen von einer Welt, wie sie sein könnte
  • Andererseits konkrete Maßnahmen, die uns diesem Traum näherbringen

Wie immer hängen hier gesellschaftlicher und politischer Wandel zusammen.
Von den politischen Maßnahmen habe ich schon gesprochen. Und die werden wir einfordern, bis wir grün werden:D und zwar wirklich und nicht nur dasselbe in Grün! Grüner Kapitalismus ist wie ein eckiger Kreis: ein Widerspruch in sich. 

Der gesellschaftliche Wandel braucht zum einen das Vorleben all dieser oben angedeuteten Dinge. Jedes Vorleben ist dabei auch eine kritische Anfrage an den Ist-Zustand. Jedes Mal, wenn ich etwas nicht kaufe, obwohl mir durch die Werbung vermittelt wurde, dass ich es brauche, zeige ich, dass das nicht stimmt. Dass ich es nicht brauche. Weil immer noch gilt: Die wichtigsten Dinge im Leben sind keine Dinge. 

Und ich finde es auch schwer. Weil es schwer gemacht wird. Weil wir eine Gesellschaft sind, die in Wachstum denkt und Konsum lebt. 

Unser neuer Slogan ist deswegen ein tolles Zitat von Uta von Winterfeld: 

Niemand soll immer mehr haben wollen müssen. 

Ich will nicht ein bestimmtes Handy haben müssen, um in der Schule nicht gemobbt zu werden. Ich will nicht von meinem nächsten Urlaub erzählen können müssen, um beliebt zu sein. Ich will kein schlechtes Gewissen haben, wenn ich Freitagabend zuhause sitze, statt immer noch mehr zu erleben. Ich will Pause machen können, so richtig. Ich will, dass ich fürs Pause machen mir nicht erst noch ne teure Yoga-Leggings und Gesichtsmasken kaufen muss. 

Ich will einfach sein. 

Genug sein. 

Genug haben. 

Ich hab doch längst genug. 

Das ist ja das Verrückte: Alles ist genug da auf der Welt, Lebensmittel, Wohnraum, Wasser,… wir haben es nur so verdammt schlecht verteilt. Zeit, es zurückzugeben, was uns nicht gehört.


Zeit, für ein Mehr zu sorgen.
Mehr Menschenwürde.  Mehr Freiheit, mehr Zeit, mehr Liebe, mehr Gerechtigkeit. 

WEbinar „Suffizienz“ mit dem SRU, 30.01.2025

WEbinar „Suffizienz“ mit dem SRU, 30.01.2025

Webinar „Suffizienz“ mit dem SRU, 30.01.2025

Warum reichen technische Lösungen nicht aus, um das Klima zu retten?
Was sind eigentlich planetare Grenzen und wie ist es wirklich um unsere Welt bestellt?
Wie können wir ein gutes Leben für alle ermöglichen und was hat das mit Suffizienz als „Strategie des Genug“ zu tun?

Diese und weitere Fragen beantworten Dr. Julia Michaelis und Bendix Vogel vom Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) in diesem Webinar.
Der SRU ist ein kompetent besetztes Gremium, das die Bundesregierung in allen relevanten Umweltfragen berät. In diesem Vortrag erläutern die Wissenschaftler*innen auf anschauliche Weise, warum es ohne Suffizienz nicht gehen wird.

Gut aufbereitete Informationen für alle, die Antworten auf die drängendsten Fragen unserer Zeit suchen.