Ihr wisst es genau

Ihr wisst es genau

IHR WISST ES GENAU

von Roland Vossebrecker

15. August 2026, Hitzesommer, die Wettervorhersage kündigt 38° Grad an. Ist es die fünfte, die sechste Hitzewelle des Jahres? Ich komme mit dem Zählen nicht mehr mit.

Ich bin ein Sommermensch, mein ganzen Leben habe ich den Sommer gemocht, er war mir immer meine liebste Jahreszeit. Zum ersten Mal kommt mir der Gedanke, dass ich mich vor den nächsten Sommern fürchten werde.

Überall in Europa brennen die Wälder, das RKI meldet bereits über 14.000 Hitzetote und der Sommer ist noch längst nicht vorbei. Dabei schlagen die europäischen Klimakatastrophen in so dichter Folge ein, dass es die Katastrophen im Globalen Süden schon kaum mehr in die Nachrichten schaffen.

Über alledem liegt bleischwer eine gewaltige Lüge. Sie bestimmt die Politik aller Richtungen und Parteien in unterschiedlicher Ausprägung und legt sich als betäubende Lähmung auf die Gesellschaft. Es ist die große Lüge, die uns pausenlos eingehämmert wird. „Gestalte Deine Kreuzfahrt nachhaltig“, „Rette die Meere mit Shampoo“, kaufe „richtig“ und die Welt ist gerettet! 

Die große Lüge hinter alledem lautet: 

Wir können im Grunde so weiter machen wie bisher

nur mit ein paar anderen Mitteln, seien es Sondervermögen, Ladesäuleninfrastruktur, E-SUV und solchem Unsinn.

Mit Klimagerechtigkeit hat das gar nichts zu tun, solange Ausbeutung, Kinderarbeit und moderne Formen von Sklaverei für unsere Rohstoffe und unsere Konsumgüter trauriger Alltag sind, solange die Folgen unserer Emissionen und unser Müll in den globalen Süden ausgelagert werden.

Diese Lüge ist attraktiv, denn sie ist verdammt bequem.

Auf der einen Seite des politischen Spektrums heißt es: Die Technik wird’s richten, eine Technik, die wir zwar noch nicht haben, aber bis dahin bauen wir Gaskraftwerke, streichen die Förderungen für Erneuerbare und Deutschland ist ja sowieso für nur 2 % der Emissionen verantwortlich. Wer glaubte, Christian Lindner sei der Gipfel einer schamlosen Lobby-Politik, wird durch Gas-Kathi eines Besseren belehrt. Von dieser Regierung erwarte ich nichts mehr.

Aber was mich persönlich noch mehr frustriert als die Ignoranz eines Friedrich Merz & Co, das ist das progressive politische Lager. Es sind jene, die es besser wissen! Da heißt es nämlich auch: Die Technik wird’s richten, eine Technik, die wir ja bereits haben. Wir vollziehen die Energiewende zu Sonne und Wind und das Problem sei gelöst. Und das ist einfach nicht wahr!

Selbstverständlich ist die Energiewende ein wichtiger Baustein im Kampf gegen die Klimakatastrophe, aber es ist eine gefährliche Lüge, so zu tun, als würde das allein ausreichen. Würden wir es ernst meinen mit der Klimagerechtigkeit, dann führt kein Weg vorbei an einem konsequenten Raus aus dem Überkonsum, wie er in westlichen Industrienationen für die Mehrheit (nicht für alle!) Alltag ist.

Ihr wisst es genau – Appell für den Mut zur Wahrheit

„Es existiert (…) keine politische Kraft, die eine Klimapolitik propagieren würde, die auch den Menschen etwas abverlangt.“
Hedwig Richter, Bernd Ulrich „Demokratie und Revolution“

Ja, ich meine Euch, liebe Grüne und liebe Linke!

Noch nie hat uns jemand von Euch in der Sache widersprochen! Aber Eure Standard-Antwort lautet mehr oder weniger wörtlich: „Ja, stimmt ja, das mit der Suffizienz, aber wenn wir das laut sagen, dann wählt uns ja keine*r mehr.“

„Mit Verzichtserzählungen gewinnt man keine Mehrheiten.“ Wie oft haben wir diesen Satz schon gehört? Sobald die Forderung nach einer offenen Klimakrisen-Kommunikation kommt, nach einer Politik, die die Wahrheit sagt, die den Menschen auch etwas zutraut und zumutet, kommt in trauriger Regelmäßigkeit die Ausrede der Unvermittelbarkeit, die Furcht vor dem Wähler*innen-Stimmenverlust.

Wie mutlos ist das? Wie feige ist das?

Ist nicht die Demokratie am Ende, wenn die Wahrheit nicht mehr aussprechbar ist? In vorauseilender Geringschätzung wird von den Menschen angenommen, sie seien unfähig und nicht willens, einen Beitrag zum Erhalt unserer Lebensgrundlagen zu leisten! Dies ignoriert die Sehnsucht so vieler Wohlmeinender, die sich nichts sehnlicher wünschen als ein „Es geht doch auch anders“, jenseits von Wachstumszwang und Konsumrausch. 

Wie phantasielos und armselig ist das?

Ist es so schwer zu verstehen, und zu vermitteln (!), dass Suffizienz, ein Genug für Alle, viel mehr ist als eine bloße Verzichtserzählung? Dass Genug für Alle eine Utopie ist, für die es sich zu kämpfen lohnt, für die man sich begeistern kann! Dass wir, am Abgrund stehend, nichts mehr zu verlieren haben, wir aber alle mit einer mutigen Suffizienzpolitik so viel gewinnen könnten. 

„Suffizienzpolitik ist mehr als nur weniger.“  So viel mehr!

pastedGraphic.png

„Suffizienz ist die Befreiung von einer All-you-can-eat-Mentalität, bei der das Buffet 25 Euro kostet und man glaubt, einen Euro Gewinn gemacht zu haben, wenn man sich für 26 Euro überfrisst.“
(Danke, Uli!)

– so brachte es ein Freund von mir einmal auf den Punkt. Er hatte verstanden.

Genug für Alle befreit uns von Überkonsum, Stress, Überforderung und schenkt uns Lebensfreude, Sinn, Gerechtigkeit – und die Aussicht, als Menschheit überleben zu dürfen.

Reicht das nicht, um es wenigstens zu versuchen?

Design rosemariasonne.de

Gut sein

Gut sein

 

Gut sein

von Roland Vossebrecker

„Suffizienz ist viel mehr als nur weniger“

Dieses geflügelte Wort der Suffizienz-Bewegung will darauf verweisen, dass über den individuellen Verzicht hinaus eine suffiziente Lebensweise einen Gewinn an Lebensqualität und eine gesündere, friedlichere und gerechtere Gesellschaft verspricht. Das Leben im Genug ist also kein Opfergang in ein darbendes trostloses Dasein, sondern im Gegenteil ein erfüllendes und zufriedenes. Die Benefits des genügsamen Lebens aufzuzeigen, ist das A und O einer erfolgreichen Suffizienz-Kommunikation.

„Suffizienz kann Baustein eines gelingenden Lebens sein“ 

Dennoch ist es offensichtlich herausfordernd, die Vorteile einer Gesellschaftsutopie zu vermitteln, die die planetaren Grenzen schont und Ausbeutung von Natur und Mitmenschen vermeidet. Denn dieses Narrativ steht gegen unsere Alltagserfahrung, gegen die gängigen Erzählungen von Wachstum (jeden Tag in den Nachrichten, niemals hinterfragt), von Karriere, von Erfolg („mein Auto, mein Haus, meine Jacht“). Die kurzfristigen Glücksbringer des Konsums müssten eingetauscht werden durch in gefühlt ferner Zukunft liegende neue Qualitäten.

Daher gilt die Faustregel, dass das böse Wort ‚Verzicht‘ unbedingt vermieden werden muss. Unausgesprochen wird nämlich vorausgesetzt, dass wir Menschen im tiefen Grunde unserer Herzen alle Egoist*innen seien. 

Aber stimmt das?

Sind wir nicht eigentlich mehrheitlich in der Lage, Regeln des fairen Zusammenlebens einzuhalten? Die allermeisten Menschen ‚verzichten‘ schließlich darauf, zu morden, zu stehlen, zu betrügen, und dies nicht primär aus Angst vor der Strafe, sondern weil gesellschaftliche Normen des sozialen Zusammenlebens verinnerlicht wurden. Es gehört sich einfach nicht, und das reicht schon, um es nicht zu tun.

Somit stellt sich mir die Frage, ob mit dem erweiterten Horizont eines globalen Blicks auf die Kollateralschäden unseres Lebensstils nicht auch das allgemeine Gerechtigkeitsempfinden angesprochen werden kann.

Zweifellos ist es die Aufgabe der Politik, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass ein gerecht genügsames Lebens überhaupt ermöglicht wird. Doch dafür braucht es jene, die nicht auf den Tag X warten, an dem die Politiker*innen endlich ihre Hausaufgaben gemacht haben, sondern schon mal vorangehen, die suffiziente Strukturen bereits heute aufbauen, erproben und praktizieren.

(…) eine große Transformation (wird nur gelingen), wenn veränderte Narrative, Leitbilder oder Metaerzählungen die Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft neu beschreiben und sogenannte Pionier*innen des Wandels, also Einzelpersonen, Gruppen oder Organisationen, die Transformation (…) ‚von unten’ durch Innovationen und nachhaltige Praktiken anstoßen.“ 

Doch oft erlebt man in Diskussionen einen ausgesprochen starken Widerstand gegen individuelle Verhaltensänderungen. Schließlich müsse sich das System ändern. Zweifellos richtig, nur: Wie macht man das, das System ändern? Sind nicht wir (!) das System, oder zumindest doch ein entscheidender Teil davon? Oder anders gefragt: Wie kann man wirkmächtiger das System ändern, als bei sich selbst zu beginnen und damit andere zu inspirieren?

Interessanterweise kommt dieser Widerstand gegen das Individuelle gar nicht so selten von Menschen, die aus voller Überzeugung Veganer*innen sind. Dabei ist doch die persönliche Entscheidung, vegan zu leben geradezu der Inbegriff von individueller Verantwortungsübernahme. Veganismus ist (meist) die ethisch gut begründete und deshalb respektable Lebensentscheidung, nicht mehr an einem massiven Unrecht, dem Ausbeuten, Quälen und Töten von Tieren, teilzuhaben. Für sich gesehen ändert sie das System noch nicht – aber sie unterwandert es: Je mehr Menschen sich dem Veganismus anschließen, desto weniger kann die Tierausbeutungsindustrie Gewinne mit unserem Geld machen! So einfach ist das. Warum sollte das nicht auch für andere Arten der Konsumverweigerung gelten?

Die sogenannten Carbon Majors, eine Handvoll Konzerne, 36 an der Zahl, sind verantwortlich für mehr als die Hälfte der globalen CO2-Emissionen. Big Oil investierte 2024 (im heißesten Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen) über 1,1 Billionen Dollar in fossile Brennstoffe. Nicht zufällig sind diese Weltzerstörer aufs engste verbandelt mit Big Tech in der Hand einiger weniger rechtsextremer und antidemokratischer Multimilliadäre. Ihr Geschäftsmodell ist es, uns zu erzählen, wir müssten genauso egoistisch sein wie sie, wir müssten konkurrieren um Anerkennung, Status, materiellem Besitz und Macht. Sie sind deshalb so unerträglich erfolgreich, weil wir ihr Spiel mitspielen. Diese Leute haben genau so viel Macht über uns, wie wir ihnen geben. Wenn wir ihnen erlauben, uns selbst nur als Konsument*innen, also als ausbeutende und auszubeutende Masse zu erleben, dann sind wir ihnen schutzlos ausgeliefert. Dann geben wir unsere Autonomie auf, glauben nur, frei zu handeln, sind aber in Wahrheit Getriebene einer Konsumsucht, die uns von außen eingepflanzt wird. 

„Unterm Strich zähl ich“, der grässliche Werbeslogan der Postbank bringt es auf den Punkt – Egoismus als Kernbotschaft, der Mensch als ein asozialer Homo Oeconomicus, „there is no such thing as society“ (Margaret Thatcher 1987), das Leben als andauernder sozialdarwinistischer Konkurrenzkampf. 

Aber das ist alles falsch!

Wir Menschen können unter günstigeren Umständen sehr wohl freundliche, emphatische, soziale, sogar liebenswerte Wesen sein. Altruismus und soziales Miteinander ist unser evolutionäres Erfolgsrezept.

Wird die positive Seite in unserem Menschsein allein deswegen viel zu selten angesprochen, weil „gut sein wollen“ zu kitschig klingt? Oder weil das Bemühen um ethisch korrektes Handeln mal leichtfertig, mal boshaft als naives Gutmenschentum verunglimpft wird? Die Motivation, sich grundsätzlich nicht mehr an Ausbeutung zu beteiligen, sich nicht mehr durch „Männer, die die Welt verbrennen“ missbrauchen zu lassen, keinen Anteil am Unrecht mehr haben zu wollen, hat dieser Gedanke nicht – Schönheit?

Weniger ist fair

Das Konzept der Suffizienz ist daher auch ein Angebot für all jene, die schlicht gute Menschen sein wollen – und das sind die meisten! Es ist eine Einladung an alle, die verantwortungsvoll leben und nicht mehr nicht länger Handlanger der Zerstörung sein wollen.

Weniger (Konsum, Verschwendung, Ausbeutung von Natur und Mitmenschen) für den wohlhabenden Teil unserer Gesellschaft (!) ist nämlich wirklich fair gegenüber jenen, die NICHT genug haben. Wir sollten nicht mehr verbrauchen, als uns zusteht und nichts besitzen, was uns nicht gehört.                                                                                                                                                                                          

Also:  Unseren Wertekompass überdenken, unsre erstaunliche Empathie-Fähigkeit wirken lassen und den Mut haben, Wohlstand jenseits von materiellem Besitz neu zu denken.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                  

Schluss mit der Man-müsste-mal-GesellschafT

Schluss mit der Man-müsste-mal-GesellschafT

 

Schluss mit der Man-müsste-mal-Gesellschaft

von Roland Vossebrecker

Seit geraumer Zeit fühle ich mich zunehmend belastet durch Fragen, drängende, bohrende, schlafraubende…

Als ich vor gut vier Jahren mit ein paar Freundinnen und Freunden begann, die Initiative KlimaGerecht Leben zu gründen, als eine Gruppe Menschen, die im „Vertrag mit Dir selbst“ die Bereitschaft erklären, individuell, gesellschaftlich und politisch Verantwortung für das große Ziel der Klimagerechtigkeit zu übernehmen, da ging es mir auch darum, endlich meinen persönlichen man-müsste-mal-Modus zu überwinden.

In unzähligen Gesprächen und Diskussionen mit Freund*innen und Bekannten lief es doch immer wieder auf das Gleiche hinaus: Man – wahlweise die Regierung, die Konzerne, die Gesellschaft, die Parteien oder schlicht die Leute – müssten dieses oder jenes tun oder lassen, um die Klimakrise zu entschärfen. Und dabei sind es so gut wie immer die anderen, die was tun müssten! Ich ging mir damit irgendwann selbst unfassbar auf die Nerven.

Und so hat es gut getan, die IKGL zu gründen, durchzustarten mit dieser kleinen, aber energischen und klugen Gruppe Gleichgesinnter. Ich glaube, wir dürfen heute sagen, dass wir etwas bewegt haben.

Und doch, sie sind wieder da, die

Fragen, drängende, bohrende, schlafraubende…

Seitdem hat sich viel bewegt in der Welt, und wenig davon zum Guten. Zwei der drängendsten Probleme unserer Zeit, die Klimakatastrophe und der globale Rechtsruck (und damit die Krise der Demokratie) haben jeweils in ihren Hochzeiten Hunderttausende auf die Straßen gebracht. Am 20. September 2019 demonstrierten deutschlandweit etwa 1,4 Millionen Menschen für mehr Klimaschutz, Anfang 2024 trieb es unzählige Menschen gegen die AfD und für die Demokratie in die Demos.

Das überwältigende gemeinschaftliche Hochgefühl jener Tage scheint verpufft zu sein. Das Klimathema hat (für die Leute, nicht für die Physik!) scheinbar völlig an Bedeutung verloren und die AfD ist laut Umfragen stärker denn je. Mit etwas Pech wird sie in diesem Jahr erstmalig einen Ministerpräsidenten (bewusst nicht gegendert!) stellen können.
So stellt sich die Frage, ob unsere Form des gesellschaftlichen Engagements und Aktivismus überhaupt noch zeitgemäß ist. Und vor allem: Welche Alternativen haben wir? Wie können, wie sollten wir Widerstand leisten? Sind wir widerständig genug?

Fragen, drängende, bohrende, schlafraubende…

Während die Krisen-Szenarien immer bedrohlicher werden, scheint unsere Gesellschaft erschöpft, gleichgültig vor Müdigkeit. Die Auslagen in den Politikregalen der Buchläden sind voll von Handlungsempfehlungen wie „Das Buch gegen Nazis: Rechtsextremismus – was man wissen muss und wie man sich wehren kann“. Man findet auch Titel wie „Welt retten! Was jede*r dafür tun kann“ oder „Wie genau die Welt retten?“ oder sogar „#klimaretten: Jetzt Politik und Leben ändern“. Nur, warum macht das niemand? Sind wir nicht alle schon wieder rückfällig im man-müsste-mal angekommen?

Jeden Morgen beim Blick in die Nachrichten fragt man sich, worüber man sich denn heute empören sollte – und dafür gibt es viele, allzu viele traurige Anlässe. Doch meist bleibt’s beim Empören und man denkt sich heimlich, man… Ihr wisst schon.

Fragen, drängende, bohrende, schlafraubende…

Sind wir also bereit, wenn es wirklich drauf ankommt? Und ist nicht schon diese Frage falsch gestellt, weil es längst drauf ankommt?

Wo werden wir sein, wenn sie kommen, um unsere Nachbar*innen zu deportieren, nach Syrien, nach Afghanistan, wie es die – nein, nicht die AfD, wie es die CSU nun fordert?

Wo wird sie sein, unsere vielbeschworene Solidarität, wenn es hart auf hart kommt in der Klimakatastrophe?

Fragen, drängende, bohrende, schlafraubende…

Und wo stehe ich? Genüge ich noch meinen eigenen Ansprüchen? Ist mein Aktivismus noch angemessen, wird er den Herausforderungen gerecht? 

Ich bin erschöpft, nicht gleichgültig, aber doch müde, sehr müde.

***********

 

So weit, so depri. Aber dann kam unser Offener Klimatalk am 24. Februar. Wir gaben ihm das Motto Raus aus dem „Man-müsste-mal-Modus“, ein gewagtes, aber voll geglücktes Experiment!

*** Dringend zur Nachahmung empfohlen ***

Erfreuliche 18 Menschen kamen, darunter zwei 17-jährige Schülerinnen, die darauf brennen, aktiv zu werden, sich zu engagieren, etwas zu bewegen. Aus einem Bündel guter Ideen haben wir vier soziale, suffiziente Projekte herausgearbeitet, die in nächster Zeit umgesetzt werden sollen. Für alle vier gibt es bereits Vorbilder aus anderen Städten, von denen wir lernen dürfen.

  1. Das „Du hast Hunger? Dein Essen ist schon bezahlt“-Projekt. Noch fehlt uns ein griffiger Titel, aber die Idee ist so einfach wie effektiv. Viele Menschen können sich oft ihr Essen kaum leisten. Vielen anderen aber würde es nicht wehtun, ein paar Euro weniger in der Tasche zu haben. Sie sollen die Möglichkeit bekommen, den bedürftigen Menschen ein Essen zu spendieren. 

Wir versuchen, mit Bäckereien zu starten – „Dein Kaffee/deine Brötchen/dein Brot sind schon bezahlt“. Wenn wir erfolgreich sind, dann möchten wir das Konzept auf Cafés und Restaurants ausweiten.

  1. Man muss nicht für alles Geld bekommen, man kann Nützliches auch einfach verschenken. Die Idee eines Verschenk- oder Umsonst-Ladens wollen wir mit einem Stand beim Tag der Offenen Gesellschaft am 20. Juni erstmalig realisieren.
  2. Wir erarbeiten eine Datenbank für „Gute Orte Bergisch Gladbach“. Darin werden Bioläden, Begegnungsorte, Tauschbörsen, Orte für Jugendliche, Repair-Cafés, Second-hand-Shops, Unverpacktläden u. v. a. m. aufgeführt. Es gibt bereits viel mehr gute Orte, als den meisten bekannt ist.
  3. Ein großes ehrgeiziges Ziel für die Zukunft ist ein demokratischer Begegnungsort für Alle nach dem Vorbild „Wohnzimmer der Gesellschaft 

Dort könnten ein Verschenk-Laden, eine Bücherei der Dinge, eine Küfa (Küche für alle), ein Spieletreff, ein Begegnungsraum und vieles mehr ihren Platz haben. Klar ist, dass wir das nicht allein werden stemmen können. Aber die Idee ist so reizvoll, so vielversprechend, dass sich das gemeinsame Brainstormen auf jeden Fall lohnen wird.

Und wenn auch nur ein oder zwei Projekte davon Wirklichkeit werden, dann hat es sich schon gelohnt! Wenn man’s nicht probiert, dann ist man schon gescheitert! Wir bleiben dran. Beim nächsten Klimatalk werden wir die Ideen weiterentwickeln.

 

Nachtrag:

Nichts ärgert die AfD mehr, als gelingende soziale Projekte! Ihr Kapital ist Unzufriedenheit, Egoismus und billige Empörung. Wir halten dagegen mit Mitmenschlichkeit und Solidarität.

COP 30 – Erfolg oder Scheitern?

COP 30 – Erfolg oder Scheitern?

 

COP 30 – Erfolg oder Scheitern?

von Roland Vossebrecker

Die COP 30 ist Geschichte, Umweltminister Carsten Schneider ist „ein bisschen enttäuscht“…

Wie siehst Du das Resultat dieser Weltklimakonferenz? Kannst Du Fortschritte sehen? Was macht Dir Hoffnung? Was sind Deine Emotionen zum Abschluss und Ergebnis der COP 30?

Schreibe uns in der Kommentarfunktion.

 

Hier meine ganz persönliche Einschätzung:

Wenn sich die Weltgemeinschaft 10 Jahre nach dem Pariser Abkommen nicht darauf verständigen kann zu bekunden, dass man es damals in Paris ernst gemeint habe, dann ist für mich nicht nur die COP 30, sondern das Format COP als Ganzes gründlich gescheitert. 

In schöner Regelmäßigkeit richtet sich nach jeder enttäuschenden Konferenz der hoffnungsvolle Blick auf die nächste, in diesem Fall auf die COP 31 in der Türkei. Ich kann mich diesem Zweckoptimismus nicht mehr anschließen, lasse mich aber gerne positiv überraschen.

Für mich hat die COP 30 einmal mehr gezeigt, dass der notwendige Wandel – wenn er denn überhaupt kommt – nicht von den Regierungen und Staaten ausgehen wird. Er muss von unten kommen, er muss von UNS kommen. Von all jenen, die sich dem fossilen System verweigern, die nicht mehr mitmachen wollen bei Zerstörung und Ausbeutung von Mitwelt und Mitmenschen.

Roland Vossebrecker

Offener Klimatalk inklusiv und ein Brief an den Kanzler

Offener Klimatalk inklusiv und ein Brief an den Kanzler

 

Offener Klimatalk inklusiv und ein offener Brief an den Kanzler 

von Roland Vossebrecker

Seit bereits drei Jahren bieten wir etwa einmal im Monat unseren „Offenen Klimatalk“ an. Dies sind Treffen für interessierte Menschen zur Diskussion über alles, was sie in der Klimafrage bewegt. Dabei werden Sorgen und Ängste geteilt, Lösungen diskutiert und es wird zum Handeln motiviert. 

Den Klimatalk am 29. Oktober 2025 haben wir in Kooperation mit dem Verein Die Kette e. V., der Menschen mit einer psychischen Behinderung eine Unterstützung bietet, veranstaltet. Gemeinsam wollten wir die Perspektiven auf die Themen Klima und Gerechtigkeit erweitern und versuchen, aus unserem sonst doch recht privilegierten Kreis herauszutreten. Denn auch heute ist (Klima-)Aktivismus für viele Menschen leider aus diversen Gründen immer noch nicht zugänglich genug. Das möchten wir ändern und dabei auch selbst dazulernen. 

Tatsächlich waren einige neue Gesichter dabei und es ist ein inklusiverer Austausch als sonst gelungen. Daran wollen wir in Zukunft unbedingt anknüpfen. 

Für das Gemeinschafts-Erlebnis gab es anschließend an den Klimatalk ein Public Viewing des DFB-Pokalspiels 1. FC Köln gegen Bayern München 

 

Als IKGL ist es uns immer wichtig, Menschen zu ermutigen sich demokratisch zu beteiligen. Diesmal setzten wir das gemeinsam direkt in die Tat um. Und so haben wir zusammen einen Brief an den Kanzler verfasst, in dem wir die Wünsche und Forderungen der Beteiligten gesammelt haben. 

Dabei war allen bewusst, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Friedrich Merz unsere Wünsche erfüllen wird, noch geringer ist, als dass der FC Köln gegen Bayern gewinnt. (Köln verlor 1:4) 

Als IKGL ist es uns immer wichtig, Menschen zu ermutigen sich demokratisch zu beteiligen. Diesmal setzten wir das gemeinsam direkt in die Tat um. Und so haben wir zusammen einen Brief an den Kanzler verfasst, in dem wir die Wünsche und Forderungen der Beteiligten gesammelt haben. 

Dabei war allen bewusst, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Friedrich Merz unsere Wünsche erfüllen wird, noch geringer ist, als dass der FC Köln gegen Bayern gewinnt. (Köln verlor 1:4)