Schluss mit der Man-müsste-mal-GesellschafT

Schluss mit der Man-müsste-mal-GesellschafT

 

Schluss mit der Man-müsste-mal-Gesellschaft

von Roland Vossebrecker

Seit geraumer Zeit fühle ich mich zunehmend belastet durch Fragen, drängende, bohrende, schlafraubende…

Als ich vor gut vier Jahren mit ein paar Freundinnen und Freunden begann, die Initiative KlimaGerecht Leben zu gründen, als eine Gruppe Menschen, die im „Vertrag mit Dir selbst“ die Bereitschaft erklären, individuell, gesellschaftlich und politisch Verantwortung für das große Ziel der Klimagerechtigkeit zu übernehmen, da ging es mir auch darum, endlich meinen persönlichen man-müsste-mal-Modus zu überwinden.

In unzähligen Gesprächen und Diskussionen mit Freund*innen und Bekannten lief es doch immer wieder auf das Gleiche hinaus: Man – wahlweise die Regierung, die Konzerne, die Gesellschaft, die Parteien oder schlicht die Leute – müssten dieses oder jenes tun oder lassen, um die Klimakrise zu entschärfen. Und dabei sind es so gut wie immer die anderen, die was tun müssten! Ich ging mir damit irgendwann selbst unfassbar auf die Nerven.

Und so hat es gut getan, die IKGL zu gründen, durchzustarten mit dieser kleinen, aber energischen und klugen Gruppe Gleichgesinnter. Ich glaube, wir dürfen heute sagen, dass wir etwas bewegt haben.

Und doch, sie sind wieder da, die

Fragen, drängende, bohrende, schlafraubende…

Seitdem hat sich viel bewegt in der Welt, und wenig davon zum Guten. Zwei der drängendsten Probleme unserer Zeit, die Klimakatastrophe und der globale Rechtsruck (und damit die Krise der Demokratie) haben jeweils in ihren Hochzeiten Hunderttausende auf die Straßen gebracht. Am 20. September 2019 demonstrierten deutschlandweit etwa 1,4 Millionen Menschen für mehr Klimaschutz, Anfang 2024 trieb es unzählige Menschen gegen die AfD und für die Demokratie in die Demos.

Das überwältigende gemeinschaftliche Hochgefühl jener Tage scheint verpufft zu sein. Das Klimathema hat (für die Leute, nicht für die Physik!) scheinbar völlig an Bedeutung verloren und die AfD ist laut Umfragen stärker denn je. Mit etwas Pech wird sie in diesem Jahr erstmalig einen Ministerpräsidenten (bewusst nicht gegendert!) stellen können.
So stellt sich die Frage, ob unsere Form des gesellschaftlichen Engagements und Aktivismus überhaupt noch zeitgemäß ist. Und vor allem: Welche Alternativen haben wir? Wie können, wie sollten wir Widerstand leisten? Sind wir widerständig genug?

Fragen, drängende, bohrende, schlafraubende…

Während die Krisen-Szenarien immer bedrohlicher werden, scheint unsere Gesellschaft erschöpft, gleichgültig vor Müdigkeit. Die Auslagen in den Politikregalen der Buchläden sind voll von Handlungsempfehlungen wie „Das Buch gegen Nazis: Rechtsextremismus – was man wissen muss und wie man sich wehren kann“. Man findet auch Titel wie „Welt retten! Was jede*r dafür tun kann“ oder „Wie genau die Welt retten?“ oder sogar „#klimaretten: Jetzt Politik und Leben ändern“. Nur, warum macht das niemand? Sind wir nicht alle schon wieder rückfällig im man-müsste-mal angekommen?

Jeden Morgen beim Blick in die Nachrichten fragt man sich, worüber man sich denn heute empören sollte – und dafür gibt es viele, allzu viele traurige Anlässe. Doch meist bleibt’s beim Empören und man denkt sich heimlich, man… Ihr wisst schon.

Fragen, drängende, bohrende, schlafraubende…

Sind wir also bereit, wenn es wirklich drauf ankommt? Und ist nicht schon diese Frage falsch gestellt, weil es längst drauf ankommt?

Wo werden wir sein, wenn sie kommen, um unsere Nachbar*innen zu deportieren, nach Syrien, nach Afghanistan, wie es die – nein, nicht die AfD, wie es die CSU nun fordert?

Wo wird sie sein, unsere vielbeschworene Solidarität, wenn es hart auf hart kommt in der Klimakatastrophe?

Fragen, drängende, bohrende, schlafraubende…

Und wo stehe ich? Genüge ich noch meinen eigenen Ansprüchen? Ist mein Aktivismus noch angemessen, wird er den Herausforderungen gerecht? 

Ich bin erschöpft, nicht gleichgültig, aber doch müde, sehr müde.

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So weit, so depri. Aber dann kam unser Offener Klimatalk am 24. Februar. Wir gaben ihm das Motto Raus aus dem „Man-müsste-mal-Modus“, ein gewagtes, aber voll geglücktes Experiment!

*** Dringend zur Nachahmung empfohlen ***

Erfreuliche 18 Menschen kamen, darunter zwei 17-jährige Schülerinnen, die darauf brennen, aktiv zu werden, sich zu engagieren, etwas zu bewegen. Aus einem Bündel guter Ideen haben wir vier soziale, suffiziente Projekte herausgearbeitet, die in nächster Zeit umgesetzt werden sollen. Für alle vier gibt es bereits Vorbilder aus anderen Städten, von denen wir lernen dürfen.

  1. Das „Du hast Hunger? Dein Essen ist schon bezahlt“-Projekt. Noch fehlt uns ein griffiger Titel, aber die Idee ist so einfach wie effektiv. Viele Menschen können sich oft ihr Essen kaum leisten. Vielen anderen aber würde es nicht wehtun, ein paar Euro weniger in der Tasche zu haben. Sie sollen die Möglichkeit bekommen, den bedürftigen Menschen ein Essen zu spendieren. 

Wir versuchen, mit Bäckereien zu starten – „Dein Kaffee/deine Brötchen/dein Brot sind schon bezahlt“. Wenn wir erfolgreich sind, dann möchten wir das Konzept auf Cafés und Restaurants ausweiten.

  1. Man muss nicht für alles Geld bekommen, man kann Nützliches auch einfach verschenken. Die Idee eines Verschenk- oder Umsonst-Ladens wollen wir mit einem Stand beim Tag der Offenen Gesellschaft am 20. Juni erstmalig realisieren.
  2. Wir erarbeiten eine Datenbank für „Gute Orte Bergisch Gladbach“. Darin werden Bioläden, Begegnungsorte, Tauschbörsen, Orte für Jugendliche, Repair-Cafés, Second-hand-Shops, Unverpacktläden u. v. a. m. aufgeführt. Es gibt bereits viel mehr gute Orte, als den meisten bekannt ist.
  3. Ein großes ehrgeiziges Ziel für die Zukunft ist ein demokratischer Begegnungsort für Alle nach dem Vorbild „Wohnzimmer der Gesellschaft 

Dort könnten ein Verschenk-Laden, eine Bücherei der Dinge, eine Küfa (Küche für alle), ein Spieletreff, ein Begegnungsraum und vieles mehr ihren Platz haben. Klar ist, dass wir das nicht allein werden stemmen können. Aber die Idee ist so reizvoll, so vielversprechend, dass sich das gemeinsame Brainstormen auf jeden Fall lohnen wird.

Und wenn auch nur ein oder zwei Projekte davon Wirklichkeit werden, dann hat es sich schon gelohnt! Wenn man’s nicht probiert, dann ist man schon gescheitert! Wir bleiben dran. Beim nächsten Klimatalk werden wir die Ideen weiterentwickeln.

 

Nachtrag:

Nichts ärgert die AfD mehr, als gelingende soziale Projekte! Ihr Kapital ist Unzufriedenheit, Egoismus und billige Empörung. Wir halten dagegen mit Mitmenschlichkeit und Solidarität.

COP 30 – Erfolg oder Scheitern?

COP 30 – Erfolg oder Scheitern?

 

COP 30 – Erfolg oder Scheitern?

von Roland Vossebrecker

Die COP 30 ist Geschichte, Umweltminister Carsten Schneider ist „ein bisschen enttäuscht“…

Wie siehst Du das Resultat dieser Weltklimakonferenz? Kannst Du Fortschritte sehen? Was macht Dir Hoffnung? Was sind Deine Emotionen zum Abschluss und Ergebnis der COP 30?

Schreibe uns in der Kommentarfunktion.

 

Hier meine ganz persönliche Einschätzung:

Wenn sich die Weltgemeinschaft 10 Jahre nach dem Pariser Abkommen nicht darauf verständigen kann zu bekunden, dass man es damals in Paris ernst gemeint habe, dann ist für mich nicht nur die COP 30, sondern das Format COP als Ganzes gründlich gescheitert. 

In schöner Regelmäßigkeit richtet sich nach jeder enttäuschenden Konferenz der hoffnungsvolle Blick auf die nächste, in diesem Fall auf die COP 31 in der Türkei. Ich kann mich diesem Zweckoptimismus nicht mehr anschließen, lasse mich aber gerne positiv überraschen.

Für mich hat die COP 30 einmal mehr gezeigt, dass der notwendige Wandel – wenn er denn überhaupt kommt – nicht von den Regierungen und Staaten ausgehen wird. Er muss von unten kommen, er muss von UNS kommen. Von all jenen, die sich dem fossilen System verweigern, die nicht mehr mitmachen wollen bei Zerstörung und Ausbeutung von Mitwelt und Mitmenschen.

Roland Vossebrecker

Offener Klimatalk inklusiv und ein Brief an den Kanzler

Offener Klimatalk inklusiv und ein Brief an den Kanzler

 

Offener Klimatalk inklusiv und ein offener Brief an den Kanzler 

von Roland Vossebrecker

Seit bereits drei Jahren bieten wir etwa einmal im Monat unseren „Offenen Klimatalk“ an. Dies sind Treffen für interessierte Menschen zur Diskussion über alles, was sie in der Klimafrage bewegt. Dabei werden Sorgen und Ängste geteilt, Lösungen diskutiert und es wird zum Handeln motiviert. 

Den Klimatalk am 29. Oktober 2025 haben wir in Kooperation mit dem Verein Die Kette e. V., der Menschen mit einer psychischen Behinderung eine Unterstützung bietet, veranstaltet. Gemeinsam wollten wir die Perspektiven auf die Themen Klima und Gerechtigkeit erweitern und versuchen, aus unserem sonst doch recht privilegierten Kreis herauszutreten. Denn auch heute ist (Klima-)Aktivismus für viele Menschen leider aus diversen Gründen immer noch nicht zugänglich genug. Das möchten wir ändern und dabei auch selbst dazulernen. 

Tatsächlich waren einige neue Gesichter dabei und es ist ein inklusiverer Austausch als sonst gelungen. Daran wollen wir in Zukunft unbedingt anknüpfen. 

Für das Gemeinschafts-Erlebnis gab es anschließend an den Klimatalk ein Public Viewing des DFB-Pokalspiels 1. FC Köln gegen Bayern München 

 

Als IKGL ist es uns immer wichtig, Menschen zu ermutigen sich demokratisch zu beteiligen. Diesmal setzten wir das gemeinsam direkt in die Tat um. Und so haben wir zusammen einen Brief an den Kanzler verfasst, in dem wir die Wünsche und Forderungen der Beteiligten gesammelt haben. 

Dabei war allen bewusst, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Friedrich Merz unsere Wünsche erfüllen wird, noch geringer ist, als dass der FC Köln gegen Bayern gewinnt. (Köln verlor 1:4) 

Als IKGL ist es uns immer wichtig, Menschen zu ermutigen sich demokratisch zu beteiligen. Diesmal setzten wir das gemeinsam direkt in die Tat um. Und so haben wir zusammen einen Brief an den Kanzler verfasst, in dem wir die Wünsche und Forderungen der Beteiligten gesammelt haben. 

Dabei war allen bewusst, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Friedrich Merz unsere Wünsche erfüllen wird, noch geringer ist, als dass der FC Köln gegen Bayern gewinnt. (Köln verlor 1:4) 

Petition – #wenigeristfair

Petition – #wenigeristfair

Petition
#wenigeristfair
Keine Klimagerechtigkeit ohne Suffizienz

von Roland Vossebrecker

Pünktlich zum Ende der parlamentarischen Sommerpause ist soeben unsere Petition zu SUFFIZIENZ online gegangen. 

Keine Klimagerechtigkeit #wenigeristfair

Wir fordern darin unsere maßgeblichen Politiker*innen auf, sich endlich mit der Tatsache auseinanderzusetzen, dass es ohne ein Ende von maßloser Ressourcenausbeutung und Überkonsum, ohne ein GENUG FÜR ALLE nicht gehen kann mit dem Erhalt unserer Lebensgrundlagen.

Bitte unterzeichnet die Petition und verbreitet sie auf allen Kanälen, wo immer es möglich ist.

Spendenaktion zur Seenotrettung

Spendenaktion zur Seenotrettung

Streichung der Gelder für die private
Seenotrettung

von Roland Vossebrecker

Unsere Regierung streicht die ohnehin lächerlich geringe finanzielle Unterstützung für die Seenotrettung im Mittelmeer.

Einfach so – kein Geld mehr, um Menschen vor dem Ertrinken zu retten.  

Es ist eine Schande!

Marian Turski, Auschwitz-Überlebender, hat einmal das 11. Gebot formuliert:
Sei nicht gleichgültig! Denn Gleichgültigkeit tötet.


Das Ausmaß an Gleichgültigkeit der deutschen Bundesregierung gegenüber dem Leiden und Sterben im Mittelmeer erschüttert uns
zutiefst. Das wollen und können wir nicht hinnehmen.

Wir haben deshalb eine Spendenprotest-Aktion ins Leben gerufen. Bitte beteiligt Euch!

Das Spendenziel ist mit 10.000,- € ehrgeizig gesteckt, aber wenn zwanzig Menschen je 500,- € spenden, oder tausend je 10,- €, dann ist der Betrag schon geschafft. Jede Spende rettet Leben und ist ein Aufschrei gegen Unmenschlichkeit, Gefühlskälte und Gleichgültigkeit.

Den Ausfall von 2 Millionen Euro werden wir mit privaten Spenden nicht ersetzen können. Daher entlassen wir die Regierung nicht aus der Verantwortung.

Hier findet Ihr unseren scharfen Protest


Bitte druckt unseren Brief aus und schickt ihn an

Bundeskanzler Friedrich Merz
Bundeskanzleramt, Willy-Brandt-Straße 1, 10557 Berlin
Außenminister Johann Wadephul
Auswärtiges Amt, Kurstraße 36, 10117 Berlin
Finanzminister Lars Klingbeil
Bundesministerium der Finanzen, Wilhelmstraße 97, 10117

Oder per E-Mail an…


Bitte bedenken: Briefe sind wirkungsvoller als Mails!


Vielen Dank fürs Mitmachen!