Von kleinen und großen Baustellen

14.11.22 | Grundlagen

von Tabea Schünemann und Roland Vossebrecker

Es ist zum Verzweifeln!

Egal wo ich mich bemühe, ökologisch korrekte Entscheidungen zu treffen, werden mir Steine in den Weg gelegt. Fast immer ist die ökologische Alternative die teurere. Fast immer fühle ich mich hilflos und allein gelassen bei der Wahl zwischen verschiedenen Produkten. Fast immer verfange ich mich in einem undurchdringlichen Wust aus Labels, Siegeln und widersprüchlichen Empfehlungen.

Was ist denn nun besser? Die Bio-Tomate, plastikverpackt aus dem wasserarmen Spanien, oder die deutsche, unverpackte non-Bio-Tomate? Die Vegan-Butter aus Kokos- oder aus Palmöl? Die Glas-Pfandflasche oder die Plastik-Recycling-Flasche?

Antwort: Keine Ahnung!

Solche und ähnliche Fragestellungen können entmutigen und frustrieren, und manch eine*r denkt sich dann vielleicht, dass es zwecklos sei mit dem klimagerechten Leben.

Aber nein, es ist vielleicht doch noch nicht zum Verzweifeln:

Es ist absolut gut und richtig, sich in allen Fragen des täglichen Lebens nach bestem Wissen und Gewissen um die korrekte Entscheidung zu bemühen, auch wenn das nicht immer gelingen wird. Aber es hilft bestimmt, wenn man sich klar wird, dass es bei den oben gestellten Fragen um die kleineren Baustellen geht. 

Das soll diese Fragen nicht abwerten oder kleinreden. Gerade im Netzwerk unserer Initiative können wir uns da gegenseitig unterstützen und inspirieren, mit Informationsaustausch, Ideen, Tipps etc.

Aber die wirklich großen Baustellen, die bedeutendsten Stellschrauben, mit denen wir am meisten bewirken können, sind andere, nämlich:

CO2-Reduktion an den entscheidenden Stellen: Durch Fahrrad und Öffis statt Auto, Bahn statt Flugzeug, durch vegetarische/vegane Ernährung, generelle Sparsamkeit und durch die Vermeidung von jeglicher Verschwendung können wir viel erreichen.

Konsumverzicht: Unser „sonstiger“ Konsum hat immer noch den größten Anteil an unserem ökologischen Fußabdruck. Weniger „Kram“ bedeutet weniger CO2 für die Atmosphäre – und auch mehr Zeit für uns!

Fairness beim unvermeidlichen Konsum: Besonders bei Kleidung, Lebensmitteln und Elektronik sollte auf Fair Trade geachtet werden.

Politisches Engagement: Der Druck der Zivilgesellschaft auf die Politik muss hoch bleiben. Die wesentlichen Strukturveränderungen, die nötig sind, um klimagerechtes Leben zur Normalität werden zu lassen (und uns dann die vielen unlösbaren Einzelentscheidung abzunehmen), müssen politisch und gesellschaftlich erkämpft werden. 

Klimagerechtes Spenden: Im Sinne des Gerechtigkeitsgedankens hat besonders das Spenden, das Teilen von Reichtum mit jenen, die besonders von der Klimakatastrophe betroffen sind, die unmittelbarste und oft lebensrettende Wirkung.

Wir können wirksam sein! Beginnen wir mit den größeren Baustellen!

Tabea Schünemann und Roland Vossebrecker

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