Revolutionäre Hoffnung

Revolutionäre Hoffnung

Revolutionäre Hoffnung

von Leandro Condjo

Frohe Ostern allerseits!
Diesen Beitrag möchte ich dem Fest der Hoffnung widmen.

Die letzten Monate waren für viele Aktivisti die reinste Zerreißprobe. Ich möchte das an dieser Stelle nicht beschönigen. Die multiplen Krisen heißen nicht umsonst so. Man kann das Leid der Welt kaum mehr in Worte fassen.
Hoffnung spielt deshalb eine zentrale Rolle, um Mut zu finden und weitermachen zu können.
Ich hoffe, dass ihr die Hoffnung noch nicht verloren habt.
Ehrlich gesagt, stehe ich manchmal knapp davor mich vom Aktvisti-Dasein zu trennen.

Zum Glück habe ich eine wichtige Hoffnungsquelle.
Welche?
Euch!

Egal wie schwer es in meinem (privaten) Leben wird…
Egal wie viel Druck der dauerhafte Weltschmerz auf meiner Brust auslöst…
Und egal wie attraktiv der Rückzug in das Private wirkt…
Wenn ich an euch denke, gibt mir das Hoffnung.
Die Zukunft ist noch nicht entschieden.
Ich bin davon überzeugt, dass auch die vielen Gerechtigkeitskämpfer*Innen vor uns an diesem Punkt waren.
Also, falls ihr das nächste Mal verzweifelt:
Erinnert euch an die zahlreichen Menschen, die mit euch kämpfen!
Seht eure Sensibilität nicht als Schwäche, sondern als die Voraussetzung für eine gerechtere, bessere Welt für Alle!
Kümmert euch um euch und die Anderen.
Hoffnung ist revolutionär in einer Welt, in der uns die Zukunft geklaut wird.

Erholt euch gut und tankt Kraft, denn wir sind noch lange nicht fertig!

Ich freue mich auf euch!

Euer Leandro

Suffizienz als Strategie des Genug – und Strategie gegen rechts!

Suffizienz als Strategie des Genug – und Strategie gegen rechts!

Suffizienz als Strategie des Genug – und Strategie gegen rechts!

von Tabea Schünemann

Genug für alle – so haben wir das Fachwort Suffizienz für uns als Initiative gefüllt und gedeutet.

Es geht um nichts Geringeres als um eine Utopie, die im Jetzt beginnt und Menschen solidarisch zueinander bringt. 

Genug für alle ist eine Strategie – also ein Plan, wie wir mit Sicherheit zur Sicherheit kommen.
Sicherheit brauchen wir und die geballte Kombination aus einem „Genug für alle“ mit einer Energie-, Verkehrs- und Ernährungswende kann uns dahin bringen. 

Die Krise der Benzinpreise zeigt: Abhängigkeit von fossilen Energien und ihren Auto-Kraten ist unfair, teuer und rückwärtsgewandt. Drei Schlagworte, die auch die aktuelle Klimapolitik der Bundesregierung beschreiben. Eigentlich kein Wunder, an Stelle der Union würde ich auch lieber meinen Großspendern nach der Pfeife tanzen, um an der Macht zu bleiben. Leider macht sie das undemokratisch und unwählbar. Abwählen können wir die Grauen Herren ja aber zum Glück wieder, nicht wahr, Viktor? 

Die Menschen werden sich aber nur von AfD und der rechten CDU abwenden, wenn wir ihnen wirklich etwas entgegensetzen. Eine eigene Vision anbieten. Eine eigene Politik umsetzen. Eine Politik des Genug für Alle. Genug Wohnraum, genug Zeit, genug Essen. Ohne Angst, dass irgendwer einem was wegnimmt. Denn: Alle neonazistischen Wutbürger*innen können einmal durchatmen: Wir haben genug von all dem! Dass es unfair verteilt ist, damit haben sie ja recht. Nur wo unser Wohlstand liegt, da irren sie sich gewaltig. Nämlich bei denen, die für ihr Geld nicht gearbeitet haben, nichts für unser Land tun und dem Staat auf der Tasche liegen – genau, bei den Überreichen. 

Die gute Nachricht ist: Es ist genug für alle da. Wir können aufhören mit der sinnlosen Produktion unter schlechten Bedingungen, von Dingen, die nicht glücklich, sondern Müll und Mühe und Klimakrise machen. 

Wir können auch anders. Wir können solidarische Menschen sein, die teilen, tauschen, reparieren, sich Zeit lassen und lieben. 

Dieses System ist in seiner Spätphase. Das aktuelle Modell ist nicht zukunftsfähig und ich sehe so viele mutige, hoffnungsvolle kreative Menschen mit mutigen, hoffnungsvollen, kreativen Ideen für eine gerechtere Welt. 

Wenn die Ressourcen klimabedingt knapp werden, wenn wir weiter Spielball der Fossilen bleiben, wenn unsere Regierung dem Ganzen nur mit Angst und Tankrabatten begegnet, dann gewinnen die Menschen, die diese Angst organisieren. Wir müssen ehrlich sein: Es muss sich alles verändern, aber wir können das gemeinsam und solidarisch machen. Wir müssen nicht die Mauern hochziehen um unsere vermeintlichen Goldhaufen, wir müssen nicht auf alle schießen, die genauso einfach überleben wollen wie wir. Wir können unsere Wirtschaft so organisieren, dass sie unsere Bedürfnisse deckt. Dann müssen wir auch keine Angst haben. Erst, wenn Menschen das Genug in ihrem eigenen Leben spüren, werden sie aufhören, nach unten zu treten. Wenn es eine solidarische Alternative gibt zu Konkurrenz und zu einem „immer mehr“, das uns alle zerstört, werden sie ihre Ellbogen einfahren und die Hände ausstrecken. Fangen wir doch damit an. 

 

Erste Hilfe gegen rechts – meine aktuellen persönlichen Lieblings-Maßnahmen gegen die Ohnmacht: 

  • Vernetze & engagiere dich lokal -> Nachahmung empfohlen: mit unser Klimainitiative entsteht gerade in Bergisch-Gladbach ein „Wohnzimmer der Demokratie“ (mehr dazu hier: https://klimagerecht-leben.de/schluss-mit-der-man-muesste-mal-gesellschaft) 
  • Spende Geld an lokale Demokratieprojekte, etwa mit dieser Campact Aktion gegen die AfD bei den anstehenden Landtagswahlen: https://aktion.campact.de/rechtsextremismus/no-afd-fonds/spenden?dv=10-25-50-75-100&utm_campaign=empf1&utm_content=1411&utm_medium=recommendation&utm_source=rec-wa&utm_term=inside_flow
  • Wie sieht es an deinem Arbeitsplatz aus? Wie demokratisch ist deine Arbeit organisiert? Erlebe Selbstwirksamkeit und Solidarität statt Spaltung, indem du dich in deiner Gewerkschaft mit anderen für bessere Arbeitsbedingungen einsetzt.
  • Setze deine eigenen, progressiven Themen im Gespräch und auf Social Media: Abgrenzung ist natürlich wichtig, aber ich will über die echten Krisen reden, nicht die eingeredeten.
  • Jetzt schon an 2029 denken: welche Person aus deinem Umfeld willst du zum Demokratie & Klima-wählen bei der Bundestagswahl bewegen? Welche Wahlen stehen sonst an bei dir? 
  • Geh zu den Prüf-Demos: Die Idee: „Wir demonstrieren in allen Landeshauptstädten so lange, bis der Bundesrat beim Bundesverfassungsgericht
    die Überprüfung aller vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall oder gesichert rechtsextrem eingestuften Parteien beantragt hat.“ https://pruef-stand.de/
  • Gestehe dir selbst ein: du kannst nicht alles machen. Auch dein eigenes Genug ist wichtig. Pausen sind antikapitalistisch im Kern. Und: Wir dürfen Fehler machen. Wirklich. Wir dürfen Grenzen haben. Such dir eine Sache aus, für die du brennst, anstatt mit Instagram in Ohnmacht zu verfallen. 
  • Übe dich in Zivilcourage: höre deinen Rassismus-Betroffenen friends zu, lies auch als Mann ein feministisches Buch und widersprich der verbalen Gewalt in der Straßenbahn. Übe mit deinen friends, was ihr machen würdet, wenn ihr in der Öffentlichkeit rassistische Gewalt etc. mitbekommt. Wir werden gebraucht!
  • Und natürlich: setze dich mit uns gemeinsam für eine Politik und Gesellschaft des Genug ein. Informiere dich, sprich mit anderen darüber, vernetze dich mit uns und anderen und werde so aktiv, wie es dir entspricht. ☺ 
Gut sein

Gut sein

 

Gut sein

von Roland Vossebrecker

„Suffizienz ist viel mehr als nur weniger“

Dieses geflügelte Wort der Suffizienz-Bewegung will darauf verweisen, dass über den individuellen Verzicht hinaus eine suffiziente Lebensweise einen Gewinn an Lebensqualität und eine gesündere, friedlichere und gerechtere Gesellschaft verspricht. Das Leben im Genug ist also kein Opfergang in ein darbendes trostloses Dasein, sondern im Gegenteil ein erfüllendes und zufriedenes. Die Benefits des genügsamen Lebens aufzuzeigen, ist das A und O einer erfolgreichen Suffizienz-Kommunikation.

„Suffizienz kann Baustein eines gelingenden Lebens sein“ 

Dennoch ist es offensichtlich herausfordernd, die Vorteile einer Gesellschaftsutopie zu vermitteln, die die planetaren Grenzen schont und Ausbeutung von Natur und Mitmenschen vermeidet. Denn dieses Narrativ steht gegen unsere Alltagserfahrung, gegen die gängigen Erzählungen von Wachstum (jeden Tag in den Nachrichten, niemals hinterfragt), von Karriere, von Erfolg („mein Auto, mein Haus, meine Jacht“). Die kurzfristigen Glücksbringer des Konsums müssten eingetauscht werden durch in gefühlt ferner Zukunft liegende neue Qualitäten.

Daher gilt die Faustregel, dass das böse Wort ‚Verzicht‘ unbedingt vermieden werden muss. Unausgesprochen wird nämlich vorausgesetzt, dass wir Menschen im tiefen Grunde unserer Herzen alle Egoist*innen seien. 

Aber stimmt das?

Sind wir nicht eigentlich mehrheitlich in der Lage, Regeln des fairen Zusammenlebens einzuhalten? Die allermeisten Menschen ‚verzichten‘ schließlich darauf, zu morden, zu stehlen, zu betrügen, und dies nicht primär aus Angst vor der Strafe, sondern weil gesellschaftliche Normen des sozialen Zusammenlebens verinnerlicht wurden. Es gehört sich einfach nicht, und das reicht schon, um es nicht zu tun.

Somit stellt sich mir die Frage, ob mit dem erweiterten Horizont eines globalen Blicks auf die Kollateralschäden unseres Lebensstils nicht auch das allgemeine Gerechtigkeitsempfinden angesprochen werden kann.

Zweifellos ist es die Aufgabe der Politik, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass ein gerecht genügsames Lebens überhaupt ermöglicht wird. Doch dafür braucht es jene, die nicht auf den Tag X warten, an dem die Politiker*innen endlich ihre Hausaufgaben gemacht haben, sondern schon mal vorangehen, die suffiziente Strukturen bereits heute aufbauen, erproben und praktizieren.

(…) eine große Transformation (wird nur gelingen), wenn veränderte Narrative, Leitbilder oder Metaerzählungen die Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft neu beschreiben und sogenannte Pionier*innen des Wandels, also Einzelpersonen, Gruppen oder Organisationen, die Transformation (…) ‚von unten’ durch Innovationen und nachhaltige Praktiken anstoßen.“ 

Doch oft erlebt man in Diskussionen einen ausgesprochen starken Widerstand gegen individuelle Verhaltensänderungen. Schließlich müsse sich das System ändern. Zweifellos richtig, nur: Wie macht man das, das System ändern? Sind nicht wir (!) das System, oder zumindest doch ein entscheidender Teil davon? Oder anders gefragt: Wie kann man wirkmächtiger das System ändern, als bei sich selbst zu beginnen und damit andere zu inspirieren?

Interessanterweise kommt dieser Widerstand gegen das Individuelle gar nicht so selten von Menschen, die aus voller Überzeugung Veganer*innen sind. Dabei ist doch die persönliche Entscheidung, vegan zu leben geradezu der Inbegriff von individueller Verantwortungsübernahme. Veganismus ist (meist) die ethisch gut begründete und deshalb respektable Lebensentscheidung, nicht mehr an einem massiven Unrecht, dem Ausbeuten, Quälen und Töten von Tieren, teilzuhaben. Für sich gesehen ändert sie das System noch nicht – aber sie unterwandert es: Je mehr Menschen sich dem Veganismus anschließen, desto weniger kann die Tierausbeutungsindustrie Gewinne mit unserem Geld machen! So einfach ist das. Warum sollte das nicht auch für andere Arten der Konsumverweigerung gelten?

Die sogenannten Carbon Majors, eine Handvoll Konzerne, 36 an der Zahl, sind verantwortlich für mehr als die Hälfte der globalen CO2-Emissionen. Big Oil investierte 2024 (im heißesten Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen) über 1,1 Billionen Dollar in fossile Brennstoffe. Nicht zufällig sind diese Weltzerstörer aufs engste verbandelt mit Big Tech in der Hand einiger weniger rechtsextremer und antidemokratischer Multimilliadäre. Ihr Geschäftsmodell ist es, uns zu erzählen, wir müssten genauso egoistisch sein wie sie, wir müssten konkurrieren um Anerkennung, Status, materiellem Besitz und Macht. Sie sind deshalb so unerträglich erfolgreich, weil wir ihr Spiel mitspielen. Diese Leute haben genau so viel Macht über uns, wie wir ihnen geben. Wenn wir ihnen erlauben, uns selbst nur als Konsument*innen, also als ausbeutende und auszubeutende Masse zu erleben, dann sind wir ihnen schutzlos ausgeliefert. Dann geben wir unsere Autonomie auf, glauben nur, frei zu handeln, sind aber in Wahrheit Getriebene einer Konsumsucht, die uns von außen eingepflanzt wird. 

„Unterm Strich zähl ich“, der grässliche Werbeslogan der Postbank bringt es auf den Punkt – Egoismus als Kernbotschaft, der Mensch als ein asozialer Homo Oeconomicus, „there is no such thing as society“ (Margaret Thatcher 1987), das Leben als andauernder sozialdarwinistischer Konkurrenzkampf. 

Aber das ist alles falsch!

Wir Menschen können unter günstigeren Umständen sehr wohl freundliche, emphatische, soziale, sogar liebenswerte Wesen sein. Altruismus und soziales Miteinander ist unser evolutionäres Erfolgsrezept.

Wird die positive Seite in unserem Menschsein allein deswegen viel zu selten angesprochen, weil „gut sein wollen“ zu kitschig klingt? Oder weil das Bemühen um ethisch korrektes Handeln mal leichtfertig, mal boshaft als naives Gutmenschentum verunglimpft wird? Die Motivation, sich grundsätzlich nicht mehr an Ausbeutung zu beteiligen, sich nicht mehr durch „Männer, die die Welt verbrennen“ missbrauchen zu lassen, keinen Anteil am Unrecht mehr haben zu wollen, hat dieser Gedanke nicht – Schönheit?

Weniger ist fair

Das Konzept der Suffizienz ist daher auch ein Angebot für all jene, die schlicht gute Menschen sein wollen – und das sind die meisten! Es ist eine Einladung an alle, die verantwortungsvoll leben und nicht mehr nicht länger Handlanger der Zerstörung sein wollen.

Weniger (Konsum, Verschwendung, Ausbeutung von Natur und Mitmenschen) für den wohlhabenden Teil unserer Gesellschaft (!) ist nämlich wirklich fair gegenüber jenen, die NICHT genug haben. Wir sollten nicht mehr verbrauchen, als uns zusteht und nichts besitzen, was uns nicht gehört.                                                                                                                                                                                          

Also:  Unseren Wertekompass überdenken, unsre erstaunliche Empathie-Fähigkeit wirken lassen und den Mut haben, Wohlstand jenseits von materiellem Besitz neu zu denken.